Meinung
Singstunde mit Söder: Warum die Bayernhymne an Schulen zur Pflicht wird
„Gott mit dir, du Land der Bayern!“ So hallt es bald durch sämtliche Schulen, von Aschaffenburg bis Garmisch-Partenkirchen – ob es dem lieben Gott nun gefällt oder nicht. Denn ab dem neuen Schuljahr muss bei festlichen Anlässen – wie etwa der Übergabe von Abschlusszeugnissen – immer die Bayernhymne „in würdig-feierlicher Weise integriert werden“. Das geht aus einem Schreiben des Kultusministeriums an alle weiterführenden Schulen im Freistaat hervor.
Vor allem die CSU um ihren Ministerpräsidenten Markus Söder hatte eine Hymnenpflicht schon seit geraumer Zeit gefordert – und sich nun endgültig durchgesetzt. Dass Bayern das beste, schönste und zweifellos attraktivste aller deutschen Bundesländer ist, betont Söder obligatorisch bei nahezu jedem öffentlichen Auftritt. Und davon gibt es ja bekanntlich sehr viele. Warum also sollten nicht schon die Kleinsten anfangen, diese bayerischen Attribute besingen zu müssen?
Musikalische Früherziehung
Grundsätzlich ist eine staatliche Einmischung in den Alltag der Bürger für Söder ein absolutes Tabu. Aber da geht es ja um fundamentale Dinge – nämlich den Kampf um die Freiheit, sich für ein klimaschädliches Auto, eine fossile Heizung oder ein überzuckertes Süßgetränk entscheiden zu dürfen. Nach Söders Ansicht hat der Staat in solchen Angelegenheiten nichts zu suchen.
Aber eine behördlich verordnete Singstunde ist etwas völlig anderes – schließlich handelt es sich hier um Tradition und eine Form musikalischer Früherziehung aus Sicht der CSU. Und überhaupt: Es besteht ja nicht einmal eine gesetzliche „Mitsingpflicht“ für Schüler.
Unbekannte Bayernhymne
Zudem wissen die meisten Zöglinge heutzutage gar nicht mehr, dass ihr Freistaat überhaupt ein eigenes Loblied hat. Selbst bei der Künstlichen Intelligenz stoßen Fragen nach der Bayernhymne offenbar auf Unwissenheit: Fragt man die KI danach, wird nicht selten der Text von „Stern des Südens“ angezeigt – dem Vereinslied des FC Bayern München. Es scheint also dringenden Handlungsbedarf zu geben.
Und die „Hymnenpflicht“ könnte durchaus nur der Anfang einer ganzen Reihe von CSU-Vorschlägen sein, um ein bisschen mehr Heimatliebe und bayerisches Lebensgefühl in den Schulalltag zu integrieren. Eine verpflichtende Schuluniform wäre beispielsweise eine feine Sache – Schülerinnen im Dirndl, Schüler in Lederhosen.
Da hilft nur beten
Weitere Ideen: mehr Schweinefleisch und Hausmannskost in den Schulkantinen, Schuhplattlern im Sportunterricht und ab Klasse 8 sollte auch die Kunst des Weißbierbrauens nicht mehr auf dem Stundenplan fehlen dürfen. All das gehört schließlich zum Kulturgut.
Da hilft wahrlich nur noch ein hymnisches Stoßgebet: „Gott mit dir, dem Bayernvolke!“