EU-Gipfel RHEINPFALZ Plus Artikel Selenskyj fordert Kooperation Europas mit den USA

EU-Ratspräsident Antonio Costa (rechts) begrüßt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Brüssel.
EU-Ratspräsident Antonio Costa (rechts) begrüßt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Brüssel.

Der ukrainische Präsident war zu Gast beim EU-Gipfel in Brüssel. Dort bat er erneut eindringlich um mehr europäische Unterstützung.

Die Bilder gleichen sich bei jedem Treffen in Brüssel. Wolodymyr Selenskyj steht in Pullover und khakifarbener Hose zwischen den EU-Staats- und Regierungschef im feinen Zwirn. Der ukrainische Präsident sucht beharrlich das Gespräch, wirkt allerdings angesichts der dramatischen Lage an der Front im Osten seiner Heimat von Mal zu Mal verzweifelter. Auch beim EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel richtete er fast schon flehende Worte an seine Kollegen, denn mit dem Amtsantritt von Donald Trump im Januar als US-Präsident wird die Zukunft der Ukraine noch ungewisser.

„Nur zusammen können die USA und Europa Putin tatsächlich stoppen und die Ukraine retten“, betonte Selenskyj und drängte Europa zur Zusammenarbeit mit Washington. Noch immer ist unklar, welche Pläne Trump in Sachen Ukraine tatsächlich hegt. Sicher aber scheint, dass der zukünftige US-Präsident die US-Militärhilfen für Kiew kürzen wird. Zudem drängt er die Ukraine zu Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Wir müssen das Gemetzel beenden“, sagte Trump in diesen Tagen in seiner Residenz Mar-a-Lago in Florida. Deshalb werde er mit Putin und dem ukrainischen Staatschef Selenskyj sprechen. Der Kreml-Chef sagte am Donnerstag im Rahmen seiner jährlichen Pressekonferenz in Moskau, dass er zu einem Treffen mit Trump „jederzeit“ bereit sei.

„Keine Entscheidung über Köpfe der Ukrainer hinweg“

In den meisten Staaten der Europäischen Union stoßen solche Ankündigungen allerdings auf wenig Verständnis. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mahnte in Brüssel erneut, „dass es keine Entscheidung geben darf über die Köpfe der Ukrainerinnen und Ukrainer hinweg“. Es dürfe keinen „Diktatfrieden“ mit Putin geben. Ähnlich äußerte sich Luxemburgs Regierungschef Luc Frieden, der betonte: „Die Zukunft der Ukraine entscheidet sich nicht in Washington.“ Allerdings sind die USA der mit Abstand größte Unterstützer Kiews im Abwehrkampf gegen die russischen Truppen, und ein Präsident Trump dürfte sich eher wenig um die Mahnungen der Europäer kümmern.

Aus Teilnehmerkreisen hieß es, dass die in den vergangenen Wochen immer wieder angesprochene europäische Friedenstruppe für die Ukraine beim EU-Gipfel kein Thema war. Auch Bundeskanzler Scholz bezeichnete die Diskussion am Rande des Treffens als verfrüht.

Milliarden-Hilfe für Kiew

Ein greifbares Ergebnis des Gipfels war, dass die EU-Kommission am Rande des Treffens den europäischen Anteil aus einem G7-Hilfspaket von insgesamt 50 Milliarden US-Dollar offiziell freigab. Die 18 Milliarden Euro aus Europa sollen ab Januar schrittweise an Kiew fließen. Sie werden aus den Zinsgewinnen aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten finanziert. Die Baltenstaaten und Finnland wollen der Ukraine zudem das gesamte in Europa eingefrorene russische Vermögen von rund 300 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, wie Selenskyj es schon lange fordert. Deutschland und Luxemburg machen juristische Bedenken geltend.

Ein weiteres Thema der 27 Staats- und Regierungschefs war die Eindämmung der irregulären Migration. Diskutiert wurde dabei über die Migrationsabkommen, die die EU-Kommission bereits zum Beispiel mit Tunesien geschlossen hat. Abkommen mit Jordanien und Marokko sollen kurz vor dem Abschluss stehen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) forderte, dass bei dem Thema mit Pragmatismus vorangegangen werden müsse. Deutschland habe es geschafft, die irreguläre Migration in den zurückliegenden Monaten um fast 50 Prozent zu reduzieren. „Das zeigt ja, dass entschlossenes, pragmatisches Handeln hilft“, unterstrich Scholz.

Kommentar: Europa hat keinen Plan für eine Ende des Kriegs

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