Gewerkschaften RHEINPFALZ Plus Artikel Sehr hohe Zustimmung für neue IG-Metall-Chefin

Das neue Vorsitzenden-Duo der IG Metall: Christiane Benner und Jürgen Kerner.
Das neue Vorsitzenden-Duo der IG Metall: Christiane Benner und Jürgen Kerner.

Mit Christiane Benner rückt erstmals eine Frau an die Spitze der IG Metall . Neu in den Vorstand rückt Ralf Reinstädtler, der bislang für die Westpfalz und das Saarland aktiv war.

Das Maß an Zustimmung fiel hoch, ja sehr hoch aus. 96,4 Prozent Ja-Stimmen– damit ließ Christiane Benner illustre Vorgänger wie Franz Steinkühler, Klaus Zwickel oder Berthold Huber hinter sich. Ein besseres Ergebnis bei der Wahl zum Vorsitzenden erzielte zuletzt der legendäre Otto Brenner – vor 58 Jahren. Dass es mehr als 130 Jahre gedauert hat, ehe eine Frau an die Spitze der IG Metall rückte, kommentierte Benner lapidar: „Die Zeit ist einfach reif gewesen“.

Offensichtlich hat es die 55-jährige Benner geschafft, die Delegierten des Frankfurter Gewerkschaftskongresses von sich, ihrer Arbeit und ihren Ideen zu überzeugen. Am Montag bescheinigte Benner der deutschen Industrie, sich mitten im größten Umbau seit 100 Jahren zu befinden. Vor diesem Hintergrund sei es wichtigstes Ziel für die kommenden Jahren, den Beschäftigten in den Betrieben mehr Möglichkeiten zu eröffnen, ihre Arbeit und damit auch ihre Zukunft mitzugestalten. Dabei gehe es auch darum, die Ängste vieler Mitarbeiter vor sozialer Unsicherheit zu mindern. Daran sollten Benners Ansicht nach auch die Arbeitgeber ein Interesse haben. Die gebürtige Aachenerin, die die Nachfolge von Jörg Hofmann antrat, bekräftigte die Forderung nach einem Ausbau der Mitbestimmung „bei der strategischen Ausrichtung der Unternehmen“.

Klare Erwartungen an den Kanzler

In die Position des Zweiten Vorsitzenden, die Benner acht Jahre lang innehatte, wurde der bisherige Hauptkassierer Jürgen Kerner gewählt. Der 54-Jährige erhielt 95,6 Prozent Ja-Stimmen. Kerner unterstrich die „klare Erwartungshaltung“ an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), den Weg für einen sogenannten Brückenstrompreis freizumachen. Damit sollen energieintensive Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, die Möglichkeit erhalten, befristet günstigeren Strom zu beziehen. Bundeskanzler Scholz wird an diesem Dienstag auf dem IG-Metall-Kongress erwartet.

Zuvor hatten die 421 Delegierten beschlossen, dass in Zukunft mindestens eine der beiden Vorsitzenden-Positionen durch eine Frau besetzt werden muss. Unter den rund 2,1 Millionen Mitgliedern der IG Metall liegt der Frauenanteil bei knapp 20 Prozent.

Geduldsprobe für Reinstädtler

Eine Geduldsprobe wurde die Vorstandswahl für Ralf Reinstädtler. Wegen technischer Probleme musste der langjährige 1. Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle Homburg-Saarpfalz geraume Zeit warten, ehe die Delegierten ihr Votum für ihn abgeben konnten. Am Ende hatte sich das Warten gelohnt: Der 57-Jährige wurde mit 92,2 Prozent in den geschäftsführenden Vorstand gewählt. Dem gehören außerdem Nadine Boguslawski aus Baden-Württemberg und Hans-Jürgen Urban an.

Als eine zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre sieht Reinstädtler den Erhalt der deutschen Industrie. Deren Umbau sei politisch gewollt und ökologisch sinnvoll, müsse aber so gestaltet werden, dass die Beschäftigten die Veränderungen auch mittragen könnten, sagte Reinstädtler nach seiner Wahl der RHEINPFALZ. Deutschland verfüge über alle Voraussetzungen, damit auch künftig neue Produkte und Geschäftsmodelle hierzulande entstehen. Wichtig sei es auch, dem schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt entgegenzutreten. Um „populistischen Ideen“ den Raum zu nehmen, sei es notwendig, Lösungen für anstehende Probleme zu entwickeln und den Menschen Perspektiven aufzuzeigen.

Ralf Reinstädtler
Ralf Reinstädtler
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