Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Russlands Öl wird zum Ladenhüter

Wegen der Sanktionen spielt für die russischen Ölexporte eine Schattenflotte von oft nicht versicherten Tankern eine wichtige Ro
Wegen der Sanktionen spielt für die russischen Ölexporte eine Schattenflotte von oft nicht versicherten Tankern eine wichtige Rolle. Gegen diese Schiffe wird nun von westlichen Staaten vorgegangen – wie hier im Januar von der französischen Marine im Mittelmeer.

Russland hat immer größere Mühe, sein Öl gewinnbringend zu verkaufen. Fast 150 Millionen Barrel Rohöl dümpeln auf den Ozeanen. Darunter leidet vor allem der Staatshaushalt.

Entlang der Ural-Autobahn in Tatarstan schaukeln weiter die Stahlarme Hunderter Ölbohrtürme, durch die Laderohre der Häfen von Ust-Luga bis Nachodka strömen täglich Millionen Barrel Rohöl in die Tankschiffe. Aber Russlands Ölexport ist ins Schwimmen geraten. Hunderte russische Tanker, die zum Großteil „graues Öl“ nach Indien oder China schaffen, dümpeln jetzt mit voller Ladung auf den Ozeanen; darin befinden sich laut Wall Street Journal etwa 143 Millionen Barrel (159 Liter) Öl. Das ist etwa die Hälfte der monatlichen russischen Ölförderung.

Förderung gedrosselt

Bloomberg berichtet unter Berufung auf russische Statistikbeamte, dass die Ölbranche des Landes die Förderung schon um etwa 100.000 Barrel am Tag gesenkt hat; die Agentur Rystad Energy erwartet ein dreimal höheres Minus bis April. Öl, Russlands Hauptexportschlager, droht zum flüssigen Ladenhüter zu werden. Und mit den Einnahmen schwinden auch Wladimir Putins Haushaltsmittel.

Noch kann von einem Zusammenbruch der Ausfuhren keine Rede sein. Im fernen, fetten Jahr 2010 exportierte Russland 247,8 Millionen Tonnen Rohöl. 2025 waren es noch immer 230 Millionen Tonnen – trotz westlicher Sanktionen und ukrainischer Drohnenangriffe. Aber diese Stabilität wackelt. Im Januar verkaufte man täglich 3,4 Millionen Barrel ins Ausland, im Februar waren es noch 2,8 Millionen. Russlands Haupteinnahmequelle funktioniert nur noch bedingt.

Noch gilt die politische Konjunktur als Hauptgrund für die Probleme. Aufgrund von US-Sanktionsdrohungen importierte Indien – vergangenen Sommer noch mit zwei Millionen Barrel täglich Russlands Ölhauptkunde – im Januar nur noch knapp 1,2 Millionen am Tag. Laut Bloomberg kann sich diese Zahl bis April noch einmal halbieren. Allerdings steigen dafür die Einkäufe Chinas seit drei Monaten und könnten im Januar einen Tagesdurchschnitt von bis zu 2,1 Millionen Barrel erreichen. Allerdings zweifeln die Experten, dass die chinesischen Importe die wachsenden Ausfälle Russlands im Indiengeschäft kompensieren werden. Zumal die Chinesen das russische Überangebot nutzen, um die Preise zu drücken. Auch angesichts längerer Transportrouten und höherer Frachtkosten kaufen sie russisches Öl im Verladehafen inzwischen mit Preisnachlässen von über 27 Dollar pro Barrel Ural, in chinesischen Häfen mit einem Discount von 9 bis 10 Dollar. Solche Rabatte drücken ebenfalls bei den Grauexporten die aktuellen Marktpreise in verschiedenen Verkaufshäfen auf 55 bis 40 US-Dollar pro Barrel. Davon müssen die Produzenten ihre Geschäftsausgaben bestreiten, Förderung und Transport, auch Abschreibungen und Investitionen – insgesamt 25 bis 40 US Dollar pro Barrel. Die Gewinnmarge ist schon jetzt sehr schmal.

Förderkosten steigen

Zwar schieben auch die großen Konzerne inzwischen die Erschließung neuer Lagerstätten vor sich her. Aber dafür steigen auch ihre Förderkosten auf den aktiven Ölfeldern, wo leicht zu förderndes Öl knapper wird. Nicht zuletzt angesichts fehlender westlicher Fördertechnik droht Russland eine Ölstrukturkrise. Als säße man nicht auf einem riesigen Ölfass, sondern auf einem Koffer ohne Henkel.

Putins Staatshaushalt kalkuliert 2026 mit einem Barrel-Preis von 59 Dollar bei einem Exportvolumen von 200 bis 220 Millionen Tonnen. Beides steht infrage – schon im Januar halbierten sich die staatlichen Rohstoffeinnahmen gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt auf 4,3 Milliarden Euro. Im gleichen Monat betrug das Haushaltsdefizit bereits 18,8 Milliarden Euro; schon befürchtet auch das linientreue Portal lenta.ru ein Jahresdefizit von 116 Milliarden Euro, knapp ein Viertel des 484 Milliarden-Euro- Gesamthaushalts.

An den heimischen Tankstellen schreibt die Ölindustrie bei Preisen von umgerechnet 74 Cent für einen Liter Superbenzin schon lange rote Zahlen; der Staat subventioniert den inländischen Benzinverkauf deshalb. Aber jetzt macht er selbst immer höhere Verluste. Und seit einigen Tagen schlagen wieder vermehrt ukrainische Kampfdrohnen in russischen Raffinerien ein.

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