Ausland
Razzia bei Hyundai: Südkorea erbost über USA
In Seoul wird der Vorfall als diplomatischer Zwischenfall gewertet. Außenminister Cho Hyun reist nach Washington, um die Freilassung der Koreaner sicherzustellen. Am Mittwoch sollen die Inhaftierten über eine Charter-Maschine den Heimflug „freiwillig“ antreten – nicht abgeschoben werden. Doch der politische Schaden ist angerichtet. US-Präsident Donald Trump besteht zwar darauf, dass es sich bei den Festgenommenen um illegale Arbeiter handele. Doch gibt es durchaus Zweifel an dieser Darstellung: „Meine Mandanten haben genau das getan, was ihnen im Rahmen des Visa-Programms erlaubt war – sie haben an Geschäftstreffen teilgenommen“, sagte Anwalt Charles Kuck der „New York Times“.
Wettbewerb mit Japan
In Südkorea schäumt die Öffentlichkeit vor Wut. Die Regierung versprach Trump erst vor wenigen Wochen, bis zu 350 Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Hyundai allein kündigte Ausgaben in Höhe von 26 Milliarden Dollar für die nächsten vier Jahre an. Nun hat Trump dem Unternehmen einen doppelten Schlag versetzt: Zeitgleich zur Razzia in der Hyundai-Fabrik unterschrieb der US-Präsident ein Dekret, wonach die Zölle für japanische Autohersteller von 25 Prozent auf 15 Prozent reduziert werden. Tokio hatte zuvor weitere Investitionen in den Vereinigten Staaten versprochen sowie den heimischen Markt für Reis und Automobile gegenüber den USA geöffnet.
In Seoul fühlt man sich gedemütigt. Hyundai verkauft schließlich nahezu 40 Prozent seiner Export-Fahrzeuge auf dem amerikanischen Markt – und steht in direktem Wettbewerb mit der japanischen Konkurrenz Toyota und Honda. Südkoreas Unternehmen sind berüchtigt dafür, Arbeits- und Visa-Bestimmungen nicht immer 100-prozentig einzuhalten. Doch die Firmen stehen unter Druck. Da vor Ort nicht ausreichend Fachkräfte vorhanden seien, müssten Firmen wie Hyundai Südkoreaner über Kurzzeit-Visa in die USA holen, um Terminfristen für den Bau von Fabriken einzuhalten, schreibt „Chosun Ilbo“, die größte Tageszeitung des Landes.