Krankenkassen Prüfer: 82 Tote durch Behandlungsfehler

Knieoperation: Die meisten Fehlervorwürfe mit knapp 31 Prozent betrafen die Orthopädie und Unfallchirurgie.
Knieoperation: Die meisten Fehlervorwürfe mit knapp 31 Prozent betrafen die Orthopädie und Unfallchirurgie.

Der Medizinische Dienst hat nach Patienten-Beschwerden im vergangenen Jahr mehr als 14 000 Gutachten erstellt. In mehr als 2800 Fällen ergab sich, dass Fehler Gesundheitsschäden verursacht hatten. Ein verbindliches Meldesystem fehlt.

Gutachter der Krankenkassen haben im vergangenen Jahr in 2826 Fällen ärztliche Behandlungsfehler festgestellt, die zu gesundheitlichen Schäden bei Patienten geführt haben. In 82 Fällen führten diese sogar zum Tod. Das geht aus der jährlichen Statistik des Medizinischen Dienstes der Kassen hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Die Expertinnen und Experten der Kassen erstellten im vergangenen Jahr 14.042 Gutachten. Fast jedes dritte Gutachten (4099) kam zu dem Schluss, dass ein Behandlungsfehler vorlag, in 2826 Fällen führte dieser zu einem gesundheitlichen Schaden.

Auch Vorwürfe in der Pflege

Wie in den Vorjahren betrafen die meisten Fehlervorwürfe mit knapp 31 Prozent die Orthopädie und Unfallchirurgie, zwölf Prozent die innere Medizin und Allgemeinmedizin, jeweils neun Prozent die Allgemein- und Viszeralchirurgie und die Zahnmedizin, acht Prozent die Frauenheilkunde und sechs Prozent die Pflege.

Die Zahlen bewegen sich seit Jahren auf ähnlichem Niveau. Die Statistik vor einem Jahr wies 14.553 Gutachten wegen vermuteter Behandlungsfehler aus, mit 2953 Fällen, in denen die Fehler zu Gesundheitsproblemen führten und 85 Todesfällen. In Deutschland gibt es pro Jahr ungefähr 20 Millionen Klinikbehandlungen und knapp eine Milliarde Arztkontakte in den Praxen.

Rheinland-Pfalz: 224 Schadensfälle

Der Medizinische Dienst Rheinland-Pfalz hat in mehr als einem Drittel seiner im Jahr 2020 begutachteten Fälle einen Behandlungsfehler und einen Schaden festgestellt. Das entspricht etwa dem Vorjahresniveau, wie der Medizinische Dienst am Dienstag in Alzey mitteilte. 598 Fälle wurden im vergangenen Jahr untersucht, in 224 (37,5 Prozent) davon stellten die Fachleute einen Fehler und einen Schaden fest. In 28,9 Prozent aller Fälle war der Behandlungsfehler auch die Ursache für den Schaden. Im überwiegenden Anteil der geprüften Fälle (62,5 Prozent) konnte der Vorwurf eines Behandlungsfehlers aber nicht bestätigt werden.

Rückschlüsse auf die allgemeine Fehlerhäufigkeit bei medizinischen Behandlungen können aus den Zahlen nicht gezogen werden, da es keine zentrale Erfassung gibt. So gibt es neben Beschwerdemöglichkeiten bei den Krankenkassen auch bei der Ärzteschaft Beschwerdestellen, zudem wenden sich manche Patienten direkt an Anwälte und Gerichte und viele Fälle dürften nicht bemerkt oder nicht gemeldet werden. „Unsere Zahlen zeigen nur einen kleinen Ausschnitt eines Problems, das engagierter angegangen werden muss“, sagte der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes, Stefan Gronemeyer. Er forderte erneut eine Meldepflicht für Behandlungsfehler.

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