Glosse Politiker sind in Geografie nicht immer sattelfest

Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr für den Ölhandel – und nicht zu verwechseln mit dem Suezkanal.
Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr für den Ölhandel – und nicht zu verwechseln mit dem Suezkanal.

Nebeneffekt des Iran-Kriegs für deutsche Durchschnittsbürger ist – neben gestiegenen Spritpreisen –, dass man neue Dinge lernt, die man vorher kaum auf dem Schirm hatte. Wer wusste vor drei Wochen schon so genau, wo die Straße von Hormus liegt und warum sie so wichtig ist?

Eine gewisse Verwirrung betrifft dabei offenbar auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Sie sprach in einem Interview mit dem Nachrichtenportal „Politico“ darüber, wie sich der Iran-Krieg auf die Medikamentenversorgung in Deutschland auswirkt: „Durch die Straße von Hormus fahren normalerweise auch Schiffe mit Ladungen aus Indien und China, die für die Arzneimittelversorgung und -produktion unverzichtbar sind.“ Deshalb würden sich bei einer längeren Blockade die Transportwege um Afrika herum verlängern. Der Persische Golf mit der Straße von Hormus ist eigentlich eine Sackgasse. Der Weg von China oder Indien nach Europa führt stattdessen über das Rote Meer und den Suezkanal ins Mittelmeer. Die Situation, dass der Suezkanal blockiert war – allerdings nicht durch einen Krieg, sondern durch ein feststeckendes Schiff –, ist ja auch gerade mal fünf Jahre her.

Ebenfalls aus der Kategorie „kann man mal verwechseln“: Der britische Verteidigungsminister John Healey sprach vor wenigen Tagen im Parlament davon, dass der Irak mittlerweile über 500 Marschflugkörper und 2000 Drohnen abgefeuert habe. Auf Nachfrage eines Zuhörers korrigierte er sich: Natürlich sei der Iran gemeint gewesen.

Dass Politiker sich mit den geografischen Verhältnissen außerhalb ihrer eigenen Heimatländer nicht auskennen, kommt immer wieder mal vor. Da wäre zum Beispiel US-Präsident Donald Trump, der in einer Wahlkampfrede von der „wunderschönen Stadt“ Belgien schwärmte und während seiner ersten Amtszeit bei einem Treffen mit afrikanischen Staatsoberhäuptern das Land „Nambia“ erwähnte. Gemeint war vermutlich Namibia – oder doch Sambia oder Gambia?

Aber auch wenn es um das eigene Land geht, kann es verwirrend werden. Die Nürnberger AfD warb 2017 auf Facebook mit dem Slogan „Hol dir dein Land zurück“ und einem Foto des Matterhorns – das bekanntlich in der Schweiz liegt. Um einen Gebietsanspruch soll es dabei aber nach eigenen Angaben nicht gegangen sein, sondern darum, eine „gesunde, natürliche Landschaft“ darzustellen.

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