Mahnwache für Frieden Papst mit dramatischem Appell an Landsmann Trump
Menschen aller Religionen und Ethnien könnten „als Brüder und Schwestern in einer Welt des Friedens“ zusammenleben, sagte er am Samstagabend vor Tausenden Menschen. Dann ging er in den Petersdom, um gut eine Stunde lang eindringlich für den Frieden zu beten.
Seit seiner Papstwahl im Mai 2025 wird Leo XIV. nicht müde, ein Ende der Kriege zu fordern. Anlass dazu hat er in wachsendem Maße; neben Russlands Angriff gegen die Ukraine, dem Krieg in Nahost und vielen anderen Konflikten kam kürzlich der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hinzu. Dieser brachte für den ersten US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri das Fass offenbar zum Überlaufen.
„Dialog statt Aufrüstung“
Der bis dato eher zurückhaltend agierende Papst geißelte zuletzt sehr deutlich eine Kriegsrhetorik, die sich zunehmend religiöser Begriffe bedient. Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, den Iran samt Zivilbevölkerung auszulöschen, wies er als „nicht akzeptabel“ zurück.
Die dann vereinbarte Waffenruhe begrüßte er. Zugleich erneuerte er seinen Aufruf zum weltweiten Gebet für den Frieden. Er selbst leitete die Feier am Samstagabend im Vatikan. Und sparte „in dieser dramatischen Stunde der Geschichte“ nicht mit deutlichen Worten.
„Haltet ein!“
Vor rund 11.000 Menschen in der Basilika und auf dem Petersplatz appellierte er eindringlich an die Staats- und Regierungschefs. „Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!“, rief er ihnen zu. „Setzt euch an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung, nicht an die Tische, an denen die Aufrüstung geplant und tödliche Maßnahmen beschlossen werden!“ Sogar der heilige Name Gottes werde für Todesreden herangezogen, beklagte er. Schon am Freitag hatte er betont, dass Gott keine Konflikte segne und Christen nicht auf der Seite derer stehen könnten, „die Bomben abwerfen“.
In der heutigen Welt gebe es anscheinend noch nicht genug Gräber, „weil man weiter kreuzigt und Leben vernichtet, ohne Recht und ohne Gnade“. Das Reich Gottes dagegen kenne weder Schwerter noch Drohnen, weder Rache noch Verharmlosung des Bösen oder ungerechten Gewinn, sondern allein Würde, Verständnis und Vergebung, sagte er vor Geistlichen und Laienchristen aus aller Welt.
Viele Briefe von Kindern
Eingebettet war sein Appell in das Rosenkranzgebet, in dem unter anderem das Vaterunser und das Ave Maria in ruhigem Rhythmus immer wiederkehren. Das Gebet bilde „einen Damm gegen jene Allmachtsfantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden“. Nachdrücklich forderte er, an das Leid der Kinder in Konfliktgebieten zu denken, von denen er viele Briefe erhalte. Diese zeigten „das ganze Grauen und die Unmenschlichkeit von Taten, mit denen sich manche Erwachsene stolz brüsten“, betonte er.
Die schweigende Mehrheit
Der Papst appellierte auch an die schweigende Mehrheit, die den Krieg ablehnt. Bereits am Dienstag hatte er gefordert, die Menschen in den betreffenden Ländern sollten ihren Politikern sagen, dass sie Frieden wollten. Ohne die USA zu nennen, ließ der gebürtige Chicagoer durch den Begriff „Kongressabgeordnete“ keinen Zweifel daran, wessen Volksvertreter er meinte. „Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes!“, so der Papst in seiner rund 13-minütigen Rede, die er teils mit sichtlicher Bewegung vortrug.
Seinem Aufruf zum Friedensgebet schlossen sich weltweit viele Kirchen und Organisationen an, auch in Deutschland. Leo XIV. wird die Lage weiter verfolgen; ab diesem Montag aus Afrika, wohin er eine zehntägige Reise durch vier Länder unternimmt. Sein Friedensgebet schloss er mit den Worten „Möge der Wahnsinn des Krieges ein Ende haben“.