Ernährung Mehr als 800 Millionen Menschen leiden Hunger

Zu den Ländern, in denen die Lage besonders dramatisch ist, gehört Afghanistan.
Zu den Ländern, in denen die Lage besonders dramatisch ist, gehört Afghanistan.

Konflikte und der Klimawandel sind nach Angaben der Welthungerhilfe und des UN-Welternährungsprogramms die größten Hungertreiber – wobei die Folgen der Corona-Pandemie die Situation zusätzlich verschärfen.

Welthungerhilfe-Präsidentin Marlehn Thieme beklagte am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Welthunger-Index 2021 eine „sehr deutliche Steigerung“ des Hungers. Laut Bericht hungern weltweit etwa 811 Millionen Menschen; 41 Millionen leben am Rande der Hungersnot. Besonders dramatisch sei die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan. Der Welthunger-Index prüft die Lage in 128 Ländern und sieht deutliche Rückschritte bei der Hungerbekämpfung.

Die Welt sei bei der Hungerbekämpfung vom Kurs abgekommen und entferne sich immer weiter vom verbindlich vereinbarten UN-Nachhaltigkeitsziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen, beklagte Thieme. Die Corona-Pandemie habe die angespannte Ernährungslage in vielen Ländern des Südens noch einmal verschärft; Millionen Familien hätten ihre Existenzgrundlage verloren. Eine Folge der Pandemie seien deutliche Preissteigerungen.

Konflikte und Klimawande größte Ursachen

„Die größten Hungertreiber bleiben aber Konflikte und der Klimawandel“, so Thieme. Die Ärmsten und Schwächsten träfen die Folgen des Klimawandels besonders hart getroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen. Auf der Klimakonferenz im November in Glasgow seien klare und verbindliche Ziele für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes sowie finanzielle Unterstützung für die Förderung von Klimaresilienz nötig, forderte Thieme.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnte in Rom ebenfalls vor einer massiven Verschärfung des Hungers durch die Klimakrise. Laut WFP-Analyse könnte ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau weitere 189 Millionen Menschen mit Hunger bedrohen. WFP-Exekutivdirektor David Beasley forderte ein Frühwarnsystem und Programme zur Anpassung an den Klimawandel, um diese drohende humanitäre Katastrophe abzuwenden.

UN-Nothilfeprogramm gefordert

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warnte angesichts zunehmender Krisen ebenfalls vor Rückschlägen. In der „Augsburger Allgemeinen“ bekräftigte er seine Forderung nach einer Reform der UN-Nahrungsmittelhilfsprogramme und einem UN-Nothilfe- und Krisenfonds von zehn Milliarden Euro.

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