Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Margaretha Sudhof: Die Masken-Detektivin

Zwischen den Fronten: Margaretha Sudhof.
Zwischen den Fronten: Margaretha Sudhof.

Die promovierte Juristin schrieb den Bericht, der den früheren Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) belastet.

Das Rampenlicht ist nicht unbedingt ihr bevorzugter Aufenthaltsort: Margaretha Sudhof hat ihr bisheriges Berufsleben in der öffentlichen Verwaltung verbracht und war bis zur Vorlage ihres spektakulären Untersuchungsbericht zur Masken-Beschaffung während der Corona-Pandemie vermutlich gerne eine anerkannte Fachkraft in der zweiten Reihe.

Nun aber steht die promovierte Juristin zwischen den Fronten: Sudhofs Bericht gilt vor allem Grünen und Linken als Anklageschrift gegen den früheren Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), während die Union der 66-Jährigen vorwirft, politische Motive zu verfolgen, um Spahn schlecht dastehen zu lassen.

Sudhof sollte „ausmisten“

Mehr als ein Jahrzehnt arbeitete Sudhof als Staatssekretärin, erst in der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen, dann im Bundesjustizministerium, schließlich im Bundesverteidigungsministerium. Obwohl schon im einstweiligen Ruhestand, wurde sie vor zwei Jahren von Spahn-Nachfolger Karl Lauterbach (SPD) beauftragt, die massive Überbeschaffung von Masken zu untersuchen. Anlass waren Klageandrohungen Hunderter Firmen, denen der Bund bestellte Masken nicht abnahm, obwohl Spahn das versprochen hatte. Ein möglicher Schadensausgleich von 2,3 Milliarden Euro steht noch immer im Raum.

„Sie mistet jetzt aus, dabei geht sie in jeden Winkel“, beschrieb Lauterbach damals die Aufgabe der Sonderermittlerin, die wie er ebenfalls SPD-Mitglied ist. Neun Monate benötigte Sudhof, um sich einigermaßen einen Überblick über die seinerzeitigen Vorgänge zu verschaffen.

Spahn verteidigte das Masken-Chaos

Detektivisch fahndete sie nach Akten und Notizen, fand aber oft nur Lose-Blatt-Sammlungen und lückenhafte Beschaffungsaufträge – ein Gräuel für jemanden, der weiß, wie ordentliche Verwaltungsarbeit aussieht. Spahn verteidigte das Masken-Chaos mit den damaligen Zuständen in der Anfangszeit der Pandemie. Sudhof wirft ihm vor, gegen den Rat seiner Fachabteilungen gehandelt zu haben.

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