Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Laden-Schluss: Corona trifft die Kleinen

Die Floristen müssen schließen, Tulpen gibt es beim Discounter.
Die Floristen müssen schließen, Tulpen gibt es beim Discounter.

Der Holzhammer-Lockdown wird Geschäften und Gaststuben den Garaus machen. Unsere Städte werden nach der Pandemie trostloser aussehen.

Während Kitas und Grundschulen bald wieder öffnen, scheint alle Welt zu glauben, dass Handel und Gastgewerbe irgendwie überleben. Der Frust der Ladenbesitzer und Wirte hat sich in Verzweiflung verwandelt. Sie fühlen sich vergessen.

Der Holzhammer-Lockdown, der Verbote verfügt, ohne mit Daten belegen zu können, ob sie auch nützen – diese „Immer feste druff“-Methode schickt einen wichtigen Teil der Wirtschaft auf die Bretter. Nicht die Großen. Aber was ist mit der Floristin, die machtlos hinter geschlossener Ladentür sieht, wie ihre Kunden beim Discounter Tulpen kaufen? Dem Schuhhändler, der Angebote für Sneakers bei Aldi und Lidl liest?

Wo ist das nette Café geblieben?

Am Dienstag soll es ein Gipfeltreffen dazu geben. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schwingt in Talkshows große Reden, intelligente Modelle für den Handel erfordern aber Ideen. Eine kluge Steuerung der Kundenströme etwa oder mehr Platz an der Kasse, damit sich die Menschen möglichst wenig begegnen. Was indessen bei Nachbarn wie Österreich schon praktiziert wird, scheint bei uns kein Thema zu sein.

Geht es in dem Trott weiter, werden am Ende die Städte trostloser aussehen. Die Corona-Durchhalter werden sich verblüfft umgucken und fragen, wo denn das nette Café und die schicke Boutique geblieben sind, in die man so gerne ging. Dann sollte uns klar sein, dass keine Naturkatastrophe diese Leere erzeugt haben wird. Sondern der Gleichmut von Politik und Gesellschaft.

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