Deutschland-Frankreich
Kratzer an Bild der ziemlich besten Freunde
Als die französische Komödie „Ziemlich beste Freunde“ 2011 in die Kinos kam, entwickelte sich der Film auch in Deutschland zum Kassenschlager. Ziemlich beste Freunde, das wurde hierzulande zwischenzeitlich zum geflügelten Wort.
Auch Deutsche und Franzosen stehen im Ruf, ziemlich beste Freunde zu sein. Und es stimmt ja auch: Die Feindschaft, die das Verhältnis beider Länder und Völker lange Zeit prägte, ist längst abgelöst von intensivem Austausch auf allen Ebenen und der Erkenntnis, dass gerade die nach wie vor bestehenden Unterschiede zwischen beiden Nachbarn eine Bereicherung darstellen.
Deutschland steht für Arbeit und Sparhaushalt
Neuerdings aber scheint sich das Bild einzutrüben. Das legt jedenfalls eine Umfrage nahe, die die Deutsche Botschaft in Paris dieser Tage veröffentlichte. Demnach mag die Hälfte der in Frankreich Befragten das östliche Nachbarland wenig oder gar nicht. Es ist das erste Mal seit 2017, dass der Anteil der Befragten, die Deutschland mögen, unter die Marke von 50 Prozent gesunken ist.
Grund zur Panik besteht allerdings nicht. Denn in der gleichen Umfrage genießt Deutschland bei 88 Prozent ein gutes Image. Das mag auch daran liegen, dass Deutschland in den Augen vieler Franzosen nach wie vor als Hort von Stabilität und Ordnung gilt. Kein Wunder, dass den Franzosen, wenn die Rede auf Deutschland kommt, vor allem Begriffe wie Arbeit, Wirtschaftsmacht und Sparhaushalt einfallen. Das zeigt, wie hartnäckig klischeehafte Zuschreibungen sind – und dass der Blick von außen ein ganz anderer, auch positiverer sein kann als die Selbstwahrnehmung.
Viele kennen das Nachbarland kaum
So eng die deutsch-französischen Beziehungen auch sein mögen: Zwei Drittel der Befragten räumen ein, dass sie das Nachbarland nicht gut kennen. Ein ernüchternder Befund, der wiederum dadurch etwas gemildert wird, dass unter den 18- bis 24-Jährigen fast jeder Zweite angibt, gute Kenntnisse über Deutschland zu haben.
Auch hierzulande wird häufig beklagt, dass die Beziehungen auf Regierungsebene schon bessere Zeiten gesehen haben. Seit geraumer Zeit stottert der deutsch-französische Motor merklich. Das mag eine Rolle spielen, wenn gut die Hälfte der befragten Franzosen meint, die Beziehungen seien schlechter geworden – vier Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Alles in allem aber bleibt es dabei, dass Deutsche und Franzosen nach wir vor ziemlich beste Freunde sind.