Politik Kalender: Die Märchenwelt des „Kirchenrebellen“

Trat im Jahr 2005 aus der katholischen Kirche aus: Eugen Drewermann.
Trat im Jahr 2005 aus der katholischen Kirche aus: Eugen Drewermann.
Trat im Jahr 2005 aus der katholischen Kirche aus: Eugen Drewermann.
Trat im Jahr 2005 aus der katholischen Kirche aus: Eugen Drewermann.

Der katholische Theologe Eugen Drewermann zweifelt die Jungfrauengeburt und kritisierte die römische Amtskirche. 1991 wurde ihm die Lehrerlaubnis entzogen. Am 26. März 1992 wurde Drewermann vom Priesteramt suspendiert

Hätte man vor 30 Jahren sein Buch über Kleriker ernst genommen, wären viele Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche verhindert worden. Davon ist der katholische Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann überzeugt. In seinem Buch „Kleriker - Psychogramm eines Ideals“ legt er dar, wie die Kirche ihre Priester krank mache. Nach der Veröffentlichung und weiteren umstrittenen Ansichten über die römische Amtskirche eskalierte der Streit: Drewermann wurde im Oktober 1991 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen, es folgte Predigtverbot, und am 26. März 1992 wurde der promovierte Theologe vom Priesteramt suspendiert.

Tiefenpsychologische Interpretation von Märchen

Noch heute füllt der knapp 80-Jährige Säle in Akademien, Kirchengemeinden und auf Kirchentagen. Drewermann ist ein radikaler Verfechter von Menschlichkeit, Liebe und Frieden. Als er Ende der 80er Jahre erkannt habe, so Drewermann, dass er Menschen nicht allein mit Mitteln der Theologie helfen konnte, begann er eine psychoanalytische Ausbildung. Der Autor unzähliger Bücher legt das Wirken Jesu therapeutisch aus und gibt biblische Geschichten so wieder, dass sie mit dem persönlichen Leben heute zu tun haben. Bekannt geworden ist er auch durch seine tiefenpsychologischen Interpretationen Grimmscher Märchen. Für ihn sind die Märchen keine bloßen Gute-Nacht-Geschichten für Kinder, sondern stellen Erwachsene vor Lebensfragen und vermitteln biblische Botschaften.

2005 Austritt aus der katholischen Kirche

Drewermann, der 1978 vom damaligen Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt als Privatdozent für katholische Dogmatik zugelassen wurde, gerät schnell in Konflikt mit seiner Kirche. Denn der „Kirchenrebell“ ist überzeugt, dass Jesus diese Kirche nicht gewollt hat, weder ihre Sakramente noch ihre Lehrautorität. An das leere Grab Jesu wolle er nicht glauben, nicht an die physikalische Himmelfahrt Jesu oder die biologisch verstandene Jungfrauengeburt. Am 8. Oktober 1991 entzog Degenhardt dem Priester und Hochschullehrer die kirchliche Lehrbefugnis, nachdem dieser sich geweigert hatte, Positionen, die nicht im Einklang mit der katholischen Lehre stehen, zu widerrufen.

Diese ganze Auseinandersetzung, so urteilte der Träger des Hermann-Hesse-Literaturpreises später, habe ihm geholfen, klarer zu sehen: „Mit dieser Verfassung in der Kirche soll ich nicht leben. Daraus wurde: Will ich auch nicht leben.“ 2005, dem Jahr, in dem der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde, trat Drewermann aus der Kirche aus – zu seinem 65. Geburtstag. Bekannt gab er das in einer Talkshow und nannte diesen Entschluss ein „Geschenk der Freiheit“

Der Kalender

DIE RHEINPFALZ feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. In diesem Kalender erinnern wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, jeden Tag an ein besonderes Ereignis oder eine ungewöhnliche Geschichte aus den vergangenen 75 Jahren.