USA RHEINPFALZ Plus Artikel Jill Bidens Buch reißt alte Wunden auf

Jill Biden stellt in ihrem Buch die letzten Monate der Präsidentschaft ihres Mannes als persönliche und politische Ausnahmesitua
Jill Biden stellt in ihrem Buch die letzten Monate der Präsidentschaft ihres Mannes als persönliche und politische Ausnahmesituation dar.

Jill Biden meldet sich mit einem Buch über ihre Zeit als First Lady im Weißen Haus zurück. Der Zeitpunkt ist so unpassend, wie der Inhalt dünn bleibt.

Die meisten Demokraten möchten das Jahr 2024 am liebsten vergessen, mindestens aber hinter sich lassen. Keinesfalls wollen sie daran erinnert werden, wie sie die Präsidentschaft unnötig verspielten und einem den Weg zurück ebneten, der niemals wieder in die Nähe des Weißen Hauses hätte gelangen sollen. Schon gar nicht jetzt, fünf Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen im November, die Amerikas Chance sind, Donald Trump in die Schranken zu weisen.

Statt dem Amtsinhaber die Bühne zu überlassen, während er sich gerade selbst demontiert, tritt die frühere First Lady aus dem Off ins Rampenlicht. Mit „View from the East Wing“ erinnert sie an die Tragödie eines Präsidenten, der als großer Reformer in die Geschichte hätte eingehen können, wenn er nach einer Amtszeit freiwillig aufgehört hätte. Stattdessen gilt Joe Bidens mangelnde Selbsteinschätzung heute als ein Grund für den Wahlsieg Donald Trumps.

Schock über TV-Duell

Rückblende zum TV-Duell zwischen Joe Biden und Donald Trump am 27. Juni 2024. An jenem Tag stieg selbst Bidens politischen Gegnern angesichts des Katastrophen-Auftritts die Fremdscham ins Gesicht. Die First Lady versucht das bis heute schönzureden. Sie habe ihren Mann „noch nie zuvor und auch seitdem nie wieder so gesehen. Niemals“, schreibt sie in ihrem Buch. Während der Debatte habe sie sich gefragt, ob er vor laufender Kamera einen Schlaganfall erleide.

Über die Frage, warum Biden überhaupt erneut kandidierte, schreibt die First Lady, ihr Mann habe während des Wahlkampfs 2020 zunächst eine einzige Übergangsamtszeit erwogen. Doch jeder einzelne seiner Berater habe darauf bestanden, „dass er antreten muss“.

Es fällt schwer zu glauben, dass jemand, der ein halbes Jahrhundert mit ihm verheiratet war, nicht sah, was mit dem Präsidenten Joe Biden los war. Der Erklärungsversuch der ehemaligen First Lady läuft auf Verdrängung durch Rücksichtnahme hinaus.

Beispiel Prostatakrebs. Im letzten Jahr seiner Präsidentschaft sei Joe nachts häufiger aufgestanden, einmal siebenmal in einer einzigen Nacht. Da ihr Mann „lieber mit seinen männlichen Ärzten als mit seiner Frau über urologische Probleme sprechen würde“, habe sie einen der Mediziner darauf hingewiesen. Erst Monate später kam die Diagnose.

Ein Muster, das sich in der Familie wiederholt. So auch im Umgang mit dem verstorbenen Sohn Beau und dessen Bruder Hunter, der mit Drogen auf den Verlust reagierte. „Meistens habe ich es geschafft, mich zusammenzureißen und weiterzumachen, ohne dass jemand merkte, wie sehr ich litt“, schreibt sie über die Trauer um den 2015 an einem Hirntumor verstorbenen Beau. Über Hunters Drogensucht heißt es, sie sei erzogen worden, „stoisch zu bleiben und meine Gefühle im Zaum zu halten“.

„Er hätte Trump besiegt“

Es sind anrührende Familiengeschichten, die Jill Biden aufschreibt. Doch nicht wenige Demokraten hätten auf das Buch gerne verzichtet. Es sei nicht gut für die Demokraten, wenn jetzt wieder über Joe Bidens Alter und verlorene Wahl 2024 gesprochen werde, warnte die ehemalige Biden-Mitarbeiterin Meghan Hays. Und selbst der einst loyale Sprecher im Weißen Haus, Andrew Bates, wundert sich in der „New York Post“, „warum diese schmerzhafte Wunde für die Partei jetzt öffentlich wieder aufgerissen werden musste“.

Doch dieser Gedanke kam Jill Biden offenbar so wenig wie damals jener, was die erneute Kandidatur ihres Mannes für die USA bedeutete. „Wäre er im Rennen geblieben“, erklärte sie im Morgenfernsehen von MSNow, „hätte er Trump geschlagen.“ Im September will Joe Biden nun seine eigenen Memoiren nachschieben – zwei Monate vor den Midterms.

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