Glosse RHEINPFALZ Plus Artikel Jetzt sind wir auch im Jodeln nur noch zweitklassig

Die Schweizer sind ja für ihre Präzision bekannt. Das gilt nun auch fürs Jodeln.
Die Schweizer sind ja für ihre Präzision bekannt. Das gilt nun auch fürs Jodeln.

Die Unesco hat das Schweizer Jodeln als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Ein Albtraum!

In vielen Bereichen haben wir uns an unsere neue Zweitklassigkeit ja schon gewöhnt. Dass sich unsere Autos nicht mehr so verkaufen, seit die Nachfrage nach fahrenden Playstations durch die Decke gegangen ist. Dass uns im Fußball Länder wie Luxemburg mittlerweile vor ähnliche Probleme stellen wie seinerzeit Brasilien oder Argentinien. Dass Australien größere Chancen hat, den Eurovision Songcontest zu gewinnen als unsereiner. Alles geschenkt.

Weil eines, so dachten wir, könne man uns nicht nehmen. Wir, da waren wir uns sicher, haben da was Eigenes: das Jodeln. Sicher, es wurde auch anderswo gejodelt. Mit einer Mischung aus Belustigung und Entsetzen haben wir immer über den großen Teich geschaut und auf die Cowboy-Jodler herabgeblickt. Billigstes U-Jodeln, reine Unterhaltung, kein Vergleich zu unserem E-Jodeln, ernsthafte Kunst. Im Jodeln, so dachten wir, macht uns so schnell keiner was vor. Hierzulande, Evelyn Hamann sei Dank, wurde gar auf Diplom gejodelt.

Das Jodeln muss gestärkt werden!

Am Donnerstag flatterte die Meldung rein, dass die Schweizer Art zu jodeln nun Immaterielles Weltkulturerbe ist. Auch in Georgien und Simbabwe ist Jodeln Teil der Kultur, auch deren Jodel-Varianten stehen längst auf der Weltkulturerbe-Liste. Und wir müssen feststellen: Auch im Jodeln sind wir nur noch zweitklassig. Ein Alpenraum, öhm, Albtraum!

Rasches Handeln der Politik ist nun erforderlich. Das Jodeln muss gestärkt werden. Ein überzeugendes Kulturangebot ist einer dieser soften Standortfaktoren, die jetzt ganz wichtig werden, in Zeiten von Fachkräftemangel und hohen Energiepreisen. Ein Unternehmen könnte in Zukunft die Entscheidung gegen einen Standort in Deutschland treffen, weil anderswo nicht nur günstiger, sondern jetzt auch mit Unesco-Stempel gejodelt wird.

Eine Taskforce muss her. Eine Jodel-Union (JU). Vorbei die Zeit, in der man sich mit weichen Themen wie Rente, Migration und Verteidigung die Zeit lustig vertreiben konnte. Jetzt wird es ernst. Erste Vorschläge: ein Jodel-Sondervermögen. Mit dem Geld dann auch sogenanntes Wildjodeln fördern, ganz unbürokratisch. Und: Das Jodeln wieder in die Mitte der Gesellschaft holen, es nicht den Rändern überlassen. Jodel-Influencer beschäftigen, mal bei der CSU nachfragen. Und: Das Thema ist zu wichtig, als dass es Ländersache bleiben könnte.

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