Saudi-Arabien RHEINPFALZ Plus Artikel Islamische Pilgerfahrt Hadsch im Schatten des Iran-Kriegs

Pilger umrunden die Kaaba in Mekka während des Hadsch.
Pilger umrunden die Kaaba in Mekka während des Hadsch.

Überschattet vom Konflikt mit dem Iran beginnt in Saudi-Arabien der diesjährige Hadsch. Die Behörden in Mekka und Medina sind in Alarmbereitschaft.

Mehr als tausend iranische Raketen und Drohnen schlugen in den vergangenen Wochen in Saudi-Arabien ein – jetzt schickt der Iran rund 30.000 Pilger zum dreitägigen Hadsch, der am 25. Mai beginnt. Saudische Sicherheitsbehörden in den heiligen Städten Mekka und Medina sind in Alarmbereitschaft und haben den Pilgern alle politischen Kundgebungen verboten. Die Erinnerung an Gefechte zwischen Iranern und saudischen Polizisten beim Hadsch 1987 ist noch wach; damals starben mehr als 400 Menschen.

Im amerikanisch-israelischen Angriffskrieg auf den Iran gilt seit Anfang April eine Feuerpause, doch viele der knapp zwei Millionen Pilger aus aller Welt, die in den kommenden Tagen in Saudi-Arabien erwartet werden, sind von den Folgen des Konflikts betroffen. Die gestiegenen Ölpreise haben das Fliegen teurer gemacht, was ärmeren Pilgern die Reise nach Mekka erschwert oder unmöglich macht.

Zudem ist der Flugverkehr in der Region immer noch eingeschränkt. Die Behörden im Irak schicken ihre Pilger in diesem Jahr auf dem Landweg nach Saudi-Arabien, obwohl die Reise dadurch länger und beschwerlicher wird. Bagdad wolle nicht riskieren, dass die Wallfahrt ins Wasser falle, weil der Luftraum über dem Irak und Saudi-Arabien wegen neuer Spannungen gesperrt werden müsse, sagte der Chef der irakischen Hadsch-Behörde, Sami al-Massudi.

Quoten für Pilger

Der Hadsch gehört neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Gebeten, dem Fasten im Ramadan und der Armenspende zu den Grundpflichten für alle zwei Milliarden Muslime auf der Welt. Die saudischen Gastgeber steuern den Ansturm mit nationalen Quoten, die sich nach der Bevölkerungsstärke der jeweiligen Länder richten.

Die Quote für den Iran wurde in diesem Jahr von fast 90.000 auf 30.000 Pilger gekürzt; nach Medienberichten wollte Saudi-Arabien wegen des Krieges zunächst überhaupt keine Iraner ins Land lassen, einigte sich dann aber mit Teheran auf die reduzierte Anzahl. Die iranischen Pilger können wegen der unterbrochenen Flugverbindungen nicht direkt anreisen, sondern fahren über Land an den irakisch-saudischen Grenzübergang Dschadidat Arar im Norden Saudi-Arabiens und fliegen von dort aus nach Mekka.

Saudische Behörden überwachen die iranischen Wallfahrer auf Schritt und Tritt. Das Innenministerium in Riad verbot den Pilgern alle politischen Meinungsäußerungen. Wer öffentlich Flaggen entrollt oder Sprechchöre anstimmt, wird bestraft. Der Iran-Experte Arman Mahmoudian von der Universität Süd-Florida rechnet damit, dass die saudische Polizei einige iranische Pilger bei der Ankunft gleich wieder nach Hause schickt, wenn sie als potenzielle Aufrührer eingeschätzt werden.

Als Hüter der heiligen Stätten muss das sunnitische Saudi-Arabien einerseits darauf achten, seiner Verantwortung als Gastgeber aller Muslime gerecht zu werden – was bedeutet, auch Pilger aus Ländern wie dem schiitischen Iran willkommen zu heißen. Andererseits will die Führung um Kronprinz Mohammed bin Salman dem Iran keine Gelegenheit geben, den Hadsch für Propagandazwecke zu nutzen.

Abschreckendes Beispiel ist die Wallfahrt im Jahr 1987. Damals demonstrierten tausende iranische Pilger auf Geheiß des iranischen Revolutionsführers Ruhollah Chomeini in Mekka gegen die USA, Israel und die Sowjetunion. Als saudische Polizisten den Demonstranten den Weg zur Großen Moschee versperrten, brachen Kämpfe aus, die in einer Massenpanik endeten.

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