Ausland RHEINPFALZ Plus Artikel Iran: Sehnsucht nach dem Schah

Der ehemalige Kronprinz Reza Pahlavi unterstützt die Protestbewegung im Iran.
Der ehemalige Kronprinz Reza Pahlavi unterstützt die Protestbewegung im Iran.

Teile der Opposition im Iran wünschen sich eine Rückkehr zur Monarchie. Beobachter sehen eine wachsende Zustimmung für den im Exil lebenden Sohn des letzten Schahs.

Zur „größten Party der Welt“ kamen Könige, Prinzen, Präsidenten, Regierungschefs und rund 600 weitere internationale Gäste in die iranische Wüste. Sie tranken teuren Champagner, dinierten bei einem fast sechsstündigen Bankett und feierten tagelang. Bis zu 200 Millionen Dollar ließ sich der damalige Schah Mohammed Reza Pahlavi im Oktober 1971 das Spektakel zur 2500-Jahr-Feier des Persischen Reiches im antiken Persepolis kosten. Das Fest war der Höhepunkt von Pahlavis fast 40 Jahren auf dem Pfauenthron. Heute wünschen sich Teile der iranischen Opposition die Monarchie zurück.

„Lang lebe der Schah“, riefen einige der Demonstranten, die in den vergangenen Wochen auf die Straßen gingen, um gegen das islamistische Regime in Teheran zu protestieren. Das Regime schlug zurück: Mehr als 5000 Menschen bezahlten ihre Teilnahme an den Kundgebungen mit ihrem Leben, wie iranische Exil-Menschrechtler berichten.

US-Präsident Donald Trump droht dem Regime in Teheran mit Militärschlägen. Der ehemalige Kronprinz Reza Pahlavi, dessen Vater als Schah die Prunk-Feier von Persepolis ausrichtete, unterstützt die Protestbewegung aus dem Exil in den USA und will nach dem erhofften Sturz der Islamischen Republik in den Iran zurückkehren.

Der letzte Schah war ein Partner des Westens

Pahlavis Vater, der letzte Schah von Iran, gehörte zu den Partnern des Westens und mit seiner dritten Frau Farah zum internationalen Jet-Set. Die „größte Party der Welt“, wie die Medien das Fest von Persepolis nannten, sollte eine Machtdemonstration seines Regimes sein, doch die teure Extravaganz in einem relativ armen Land schweißte die Opposition zusammen. Pahlavis berüchtigte Geheimpolizei Savak bekam die Lage nicht mehr in den Griff. Der Schah wurde 1979 von einem Volksaufstand gestürzt und starb ein Jahr später in Ägypten. In Teheran rissen schiitische Kleriker um Ajatollah Ruhollah Khomeini die Macht an sich und errichteten einen Gottesstaat.

Unter Khomeinis Nachfolger Ali Khamenei steckt die Islamische Republik knapp ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung in einer Existenzkrise. Der Iran hat Niederlagen gegen seine Feinde Israel und USA einstecken müssen, die Wirtschaft liegt wegen internationaler Sanktionen, Misswirtschaft und Korruption am Boden. Religiös begründete Vorschriften wie die Kopftuchpflicht für Frauen und ein Tanzverbot ärgern die Bürger, doch Khamenei lässt keine Reformen zu.

Der Ruf nach einer Rückkehr zur Monarchie im heutigen Iran entspringe teilweise einer nostalgischen Stimmung nach dem Motto „Früher war alles besser“, sagt der Iran-Experte Arman Mahmoudian von der Universität Süd-Florida. Es gebe aber auch konkrete Gründe dafür, dass einige Iraner auf Kronprinz Pahlavi warten: „Das Pahlavi-System war zwar eine absolute Monarchie mit autokratischen Zügen, doch damals gab es Vieles, was die Iraner heute schmerzlich vermissen“, sagte Mahmoudian der RHEINPFALZ. So sei die Wirtschaft einigermaßen stabil gewesen, die Inflation war an heutigen Maßstäben gemessen niedrig.

Der Schah habe seinem Volk auch keine Vorschriften gemacht, was Kleidung, Alkohol oder soziale Kontakte angehe, sagt Mahmoudian. „Das sind genau jene Freiheiten, nach denen sich die Iraner heute sehnen.“ Iraner unter 30 – rund die Hälfte der 90 Millionen Bürger des Landes – wurden zwar lange nach der Schah-Zeit geboren, doch sie wissen durch Internet und Smartphones, wie das Leben in einem westlich orientieren Staat aussehen kann. Sie wollen sich nicht von den Mullahs gängeln lassen.

Khameneis Regime verweist darauf, dass heute weniger Iraner in Armut leben als unter dem Schah. Fast alle städtischen Haushalte haben Anschluss an das Gas- und Wassernetz, wesentlich mehr als in den Zeiten der Monarchie. Bei Ausbruch der Revolution 1979 lag das Pro-Kopf-Einkommen der Iraner laut Weltbank bei 2300 Dollar im Jahr – heute ist es fast doppelt so hoch.

Regime verliert Rückhalt in der Mittelschicht

Bevor der Westen im Jahr 2011 wirtschaftliche Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms erließ, habe die Islamische Republik noch einige Erfolge vorweisen können, sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Iran-Experte Djavad Salehi-Isfahani von der Technischen Universität im US-Bundesstaat Virginia. Seitdem habe das Regime wegen wirtschaftlicher Stagnation und hoher Inflation besonders die Unterstützung jüngerer Iraner aus der Mittelschicht verloren, sagte Salehi-Isfahani der RHEINPFALZ.

Diese Iraner seien mit gasbeheizten Wohnungen nicht zu beeindrucken, meint Salehi-Isfahani: Sie wollten mehr persönliche Freiheit, doch das Regime verhalte sich so, als sei das Land in den sechziger oder siebziger Jahren stehen geblieben. Die Pahlavi-Nostalgie sage mehr über das Scheitern der Islamischen Republik als über die Errungenschaften der Monarchie, meint Salehi-Isfahani.

Ob der jüngere Pahlavi davon profitieren kann, ist offen. Weil es keine unabhängige Meinungsforschung im Iran gibt, ist unbekannt, wieviel Unterstützung der heute 65-jährige Kronprinz bei seinen Landsleuten hat. Für Pahlavi spreche seine Bekanntheit, sagt Experte Mahmoudian. Darin könne sich kein anderer Oppositionspolitiker mit dem Prinzen messen. Ein Trend sei klar erkennbar: „Die Zustimmung zu ihm wächst.“

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