Glosse
In Belfast tappt Wadephul im Dunkeln
Wenn Minister, Kanzler oder Bundespräsidenten früher auf Fernreisen gingen, flog immer das Risiko mit: Schafft es der Airbus, macht die Elektronik schlapp, platzt ein Reifen bei der Landung? Die Flotte der Flugbereitschaft war spätestens ab der Jahrtausendwende völlig überaltert.
Das führte gelegentlich zu Abbrüchen von Reisen oder Umstiegen auf Linienflüge. Hart traf es 2016 die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Auf dem Weg nach Mali fiel ein Computer an Bord des Airbus A340 aus. Von der Leyen strandete in Abuja (Nigeria) und musste auf Ersatz warten. Zwei Jahre später kollabierte im Regierungsflieger „Konrad Adenauer“ das gesamte Kommunikationssystem. An Bord waren Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz auf dem Weg zum G20-Gipfel in Buenos Aires. Das Flugzeug kehrte um und landete in Köln/Bonn. Merkel und Scholz mussten auf Linienflüge umsteigen und kamen verspätet an.
Belfaster Tower ist überfordert
Verspätung hatte auch der aktuelle deutsche Außenminister Johann Wadephul Mitte der Woche bei seinem abendlichen Flug nach Belfast zum Westbalkan-Gipfel. Dieses Mal aber lag es nicht an Landeklappen-Problemen oder einem Triebwerksschaden. Der Tower des Flughafens in der nordirischen Stadt hatte offenbar mit einer kleineren Maschine aus Deutschland gerechnet. Mit diesen Worten informierte der Flugkapitän die deutsche Delegation: „Die Kollegen hier in Belfast am Boden, die sind sich offensichtlich nicht so ganz darüber im Klaren, dass unser Flugzeug ein bisschen ein größeres ist“, teilte er über die Bordsprechanlage mit. „Deswegen wird jetzt gerade noch diskutiert bezüglich der Rollwegbreite, da der Rollweg, der uns jetzt eigentlich zum Parkplatz zugewiesen wurde, zu schmal für unser Flugzeug ist.“
Nur Autoscheinwerfer spenden Licht
Erst 45 Minuten später durfte der Luftwaffen-Airbus weiterrollen – aber nur wenige Meter. „Die diskutieren sich hier zu Tode“, beschrieb ein dann doch hörbar genervter Pilot seinen Funkkontakt. Das Ende vom Lied: Wadephul stieg im Dunklen aus. Er wurde von der deutschen Botschafterin in Großbritannien, Susanne Baumann, auf der Landebahn begrüßt, die nur von den Scheinwerfern der Wagenkolonne beleuchtet wurde. Den Empfang, zu dem die britische Außenministerin Yvette Cooper eingeladen hatte, verpasste Wadephul.