Weltklimakonferenz 2024 In Baku geht es um Geld – und um die USA unter Trump
Rumänien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien, Italien, Österreich, Tschechien, Polen, Belgien, Süd- und Ostfrankreich, Bayern, Baden-Württemberg – und jetzt Südspanien. All diese europäischen Länder und Regionen erlebten dieses Jahr katastrophale Hochwasser nach Starkregen. Auch wenn nicht jedes dieser Ereignisse klar dem voranschreitenden Klimawandel zugeordnet werden kann, so zeigt die Häufung doch: Ein wärmer werdendes (Mittel-)Meer führt zu mehr Feuchtigkeit in der Luft. Mit entsprechenden Folgen.
Viele der betroffenen europäischen Länder werden es schaffen, die Verwüstungen zu beseitigen. In anderen Staaten, die dieses Jahr ebenfalls von verheerenden Fluten heimgesucht worden sind, sieht das anders aus. Weitgehend ignoriert oder bereits wieder vergessen ist es 2024 ja auch in Ostafrika (Kenia, Tansania) und im südlichen Brasilien zu heftigen Regenfällen gekommen. Klimawandel bedeutet eben nicht nur Hitze und vermehrt Dürren.
Weil sich die Folgen heftiger zeigen, nimmt dieses Thema auch bei den Welt-Klimagipfeln eine zunehmend stärkere Rolle ein. Wobei die Diskussion sich im Kern darum dreht: Was sollen die Industriestaaten, die seit 150 Jahren durch das massive Verbrennen von Kohle, Öl und Gas den menschengemachten Klimawandel befeuern, den ärmeren Staaten – die vergleichsweise wenig zum Klimawandel beigetragen haben – zur Kompensation der Folgeschäden zukommen lassen? Zweiter Punkt: Was sollen bedürftige Entwicklungsländer an Finanzhilfe erhalten, damit sie den Klimafolgen nicht schutzlos ausgeliefert sind. Und, dritter Punkt: Inwiefern müssen sich aufstrebende Staaten wie China, die ja bei der Industrialisierung noch nicht so lange mitmischen, aber inzwischen jede Menge Klimagase in die Luft pusten, an diesen Fördertöpfen beteiligen?
Konkret: Das bisher geltende Ziel von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr, mit denen die wohlhabenden Staaten Entwicklungsländer derzeit unterstützen, muss überarbeitet werden. Denn diese mühsam errungene Verabredung läuft im nächsten Jahr bereits wieder aus. Klar ist inzwischen: Der Betrag müsste deutlich angehoben werden. Laut Studien wären bis zu 2400 Milliarden US-Dollar nötig. Jedes Jahr! Doch bereits jetzt erfüllt nur eine Handvoll Länder ihre finanziellen Zusagen in vollem Umfang, darunter sind Norwegen, Schweden und Deutschland.
Endlich handeln statt verhandeln
Weiter geht es in Baku einmal mehr darum, ob und wie die Mengen an Treibhausgasen reduziert werden können. Viele Wissenschaftler blicken mit Skepsis nach Baku und fordern die Regierungen auf, endlich zu handeln statt bloß zu verhandeln. Doch nun schwebt über dem Treffen auch noch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Amerika: Werden sich die USA aus den globalen Klimaverträgen zurückziehen – so wie in der ersten Amtszeit Donald Trumps?
Und wird dieser, der mit dem Schlachtruf „Drill, baby, drill!“ (zu deutsch etwa „Bohrt überall nach Öl und Gas!“) in den Wahlkampf zog, die Schleusen öffnen für ein ungehemmtes Verfeuern fossiler Brennstoffe? Überhaupt: Wird Trump die Vereinten Nationen, unter deren Dach auch die globale Klimapolitik läuft, finanziell austrocknen?
Absehbar ist indes auch, dass die Europäer ebenfalls nicht mehr an vorderster Front für mehr Klimaschutz streiten werden. Große Länder wie Deutschland haben wirtschaftliche Probleme und setzen andere Prioritäten – was wohl verschärft werden dürfte aufgrund Trumps künftiger Politik. Doch: Wenn Trump irgendwann als Präsident abtritt, wird der Klimawandel weiterhin fortschreiten.