Meinung ICE nach Berlin: Großer Gewinn für die Pfalz
Die Deutsche Bahn (DB) und ihre Fahrgäste haben sicher schon bessere Jahre erlebt als 2024. In den ersten Monaten des Jahres hatten die Fahrgäste vor allem unter den Streiks der Lokführergewerkschaft GDL zu leiden, danach unter häufigen Verspätungen wegen der zahlreichen Baustellen und Zugausfälle, die oft durch Personalmangel verursacht waren. Für das Image der DB-Fernzüge war vor allem die Blamage während der Fußball-EM verheerend, obwohl die DB hier an einer Hauptursache von Verspätungen (den Hochwasserschäden an der Strecke Würzburg–Nürnberg) unschuldig war.
Vor fünf Jahren, kurz vor der Corona-Krise, gab es einen sehr positiven Trend im DB-Fernverkehr, der durch die klimapolitisch motivierte Senkung der Mehrwertsteuer auf Fernzug-Tickets verstärkt wurde. Die DB hatte damals große Pläne, ihr Angebot auszubauen. Grundlage dafür war ein 2015 vorgelegtes Konzept, laut dem auch abseits der zentralen Hauptstrecken wieder mehr Fernzüge fahren sollten. Dazu gehörte auch ein Comeback für die Interregio-Linie durch die Pfalz, die früher von Saarbrücken über Mannheim und Stuttgart nach Lindau führte. Als geeigneter Zeitpunkt galt damals das Jahr 2030, wenn der Verkehrsvertrag für die Regional-Express-Linie ausläuft, die Ende 2014 die Fahrplantrasse des früheren Interregio übernommen hat. Davon ist nun keine Rede mehr.
Problem Schienen-Maut
Als die DB 2015 ihr neues Fernverkehrskonzept präsentierte, hoffte sie wohl darauf, dass mittelfristig die Schienen-Maut (Fachbegriff: Trassenpreise) sinken könnte. Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla hatte kurz nach seinem Eintritt in den DB-Vorstand 2016 intern tatsächlich angekündigt, dass er eine deutliche Senkung der Trassenpreise anstrebe und damit für eine kurze Phase der Euphorie gesorgt. Erreicht hat er dann in dieser Frage aber letztlich kaum etwas.
Nun droht sogar ganz im Gegenteil eine massive Erhöhung der Trassenpreise, vor allem weil die DB Mittel für die dringend nötige Sanierung des Schienennetzes nicht als (eigentlich schon einmal politisch zugesagte) Zuschüsse bekommen soll, sondern als Eigenkapitalerhöhung. Dies hat den Vorteil, dass so die Schuldenbremse umgangen werden kann, aber den großen Nachteil, dass sich daraus eine massive Erhöhung der Trassenpreise ergibt. Wie der DB-Fernverkehr eine drastisch steigende Schienen-Maut verkraften soll, steht bisher in den Sternen. Eine großangelegte Angebotsoffensive, die sich einem künftigen Deutschlandtakt nach Schweizer Vorbild zumindest nach und nach annähert, wird damit jedenfalls erheblich erschwert.
ICE Berlin–Paris fährt über Straßburg
In dieser Situation muss man schon froh über kleine Verbesserungen sein. So gesehen gehört die Pfalz mit dem neuen Direkt-ICE nach Berlin zu den raren Gewinnern des kommenden Fahrplanwechsels. Der wichtigste Grund dafür ist offensichtlich, dass die Einführung eines ersten ICE von Berlin nach Paris auch wegen des schönen deutsch-französischen Symbolwerts für die DB sehr hohe Priorität hatte. Aus guten Gründe fährt der Zug nicht über Saarbrücken, sondern über Straßburg (dem Sitz des EU-Parlaments). Zum Trost bekommen Saarbrücken und Kaiserslautern samt Neustadt und Homburg dafür einen zusätzlichen Direkt-ICE nach Berlin.
