Politik Homoerotische Briefmarken


Seit kurzem können Finnen ihre Post mit Briefmarken verschicken, auf denen nackte, muskulöse Männerpopos zu sehen sind. Die drei Ein-Euro-Briefmarken, in denen Männer in erotischen Positionen abgebildet sind, stammen vom 1991 gestorbenen finnischen Künstler Touko Laaksonen, der unter dem Namen Tom of Finland weltbekannt wurde. Laut der finnischen Post sind die Briefmarken die ersten homoerotischen weltweit. Vorbestellungen aus 178 Ländern waren bereits vor Verkaufsbeginn eingetroffen. „Wir hatten Zehntausende von Vorbestellungen. Soviel hatte unsere Post noch nie in ihrer Geschichte bei Briefmarkenserien. Auch beim Verkaufsbeginn gab es lange Schlangen in den Postämtern“, sagt Post-Produktmanager Markko Penttinen der RHEINPFALZ. Noch sind die Homobriefmarken in den finnischen Postämtern und im Onlineshop erhältlich. „Aber ich denke, in zwei Wochen ist diese limitierte Edition ausverkauft“, schätzt Penttinen. Dass Homosexualität nun als Briefmarke der finnischen Post einen so öffentlichen Platz bekommt, wurde von Schwulenverbänden im auch heute noch teils sehr konservativen Finnland bejubelt. Natürlich habe es auch viel Protest gegeben, räumt Penttinen ein. „Rund 20 Prozent der Finnen gaben bei unserer Marktuntersuchung an, dass sie diese Homobriefmarken ablehnen.“ Auch Tausende von Unterschriften wurden im Vorfeld der Briefmarkenpublikation gegen die Briefmarken gesammelt, und in finnischen Medien wurde das Für und Wider diskutiert. Die für unkonventionelle Briefmarken bekannte finnische Post blieb jedoch gelassen. „Jeder darf seine Meinung haben. Aber wer diese Serie nicht mag, kann sich einfach andere Briefmarkenserien kaufen. Wir haben eine große Auswahl“, sagt Penttinen. Die finnische Post ist Kontroversen gewöhnt. Bereits in den 40er Jahren löste eine Briefmarkenserie Aufsehen aus, die nackte Frauen von hinten in der finnischen Sauna – dem inoffiziellen Nationalsymbol – zeigte. Auch als die als Monster verkleidete Rockband Lordi 2006 den Eurovision Schlagerwettbewerb gewann und die Post Briefmarken drucken wollte, seien ungefähr 20 Prozent der Kunden dagegen gewesen, so Penttinen. Er unterstreicht: Das Ziel der finnischen Post sei es, „unserem Zeitgeist entsprechende Briefmarken zu drucken“.

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