Meinung
Hilft „grünes Öl“ dem Klima?
Die Abschaffung des Habeckschen „Heizungsgesetzes“ sollte kurz vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für die Union ein Wahlkampfknüller werden. Als Lösung wurde dabei nicht zuletzt „grünes Öl“ propagiert. Je konkreter diesbezügliche Pläne werden, desto deutlicher werden aber die Schwierigkeiten. „Grünes Heizöl lässt sich unter anderem aus Altspeisefetten oder Ölsaaten gewinnen, die Erträge sind hier aber begrenzt“, sagt Daniela Thrän vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Das zentrale Problem ist, dass es keineswegs im Überfluss Reststoffe gibt, die bisher nicht sinnvoll verwendet werden. Ähnlich wie beim Bio-Diesel stellt sich das Problem, dass Energiepflanzen mit der Nahrungsmittelproduktion um Flächen konkurrieren. Dieses Problem wird oft mit dem Dilemma „Tank oder Teller“ beschrieben.
Von Verbänden und Unternehmen, die von fossilen Brenn- und Treibstoffen leben, wird angesichts dieser Probleme gerne eine andere Technologie als Zukunftslösung propagiert, nämlich E-Fuels. Das sind synthetische Kraft- und Brennstoffe, die bei der Produktion mit erneuerbaren Energien theoretisch klimaneutral sein können. Es gibt unter Fachleuten einen relativ breiten Konsens, dass E-Fuels tatsächlich bei der Dekarbonisierung des Verkehrs eine Rolle spielen können.
Autoexperte Dudenhöffer: Wolkenkuckucksheim
Allerdings spricht viel dafür, dass die absehbar knappen Mengen vor allem dort eingesetzt werden sollten, wo es kaum andere praktikable Methoden der Elektrifizierung gibt. Das gilt vor allem für weite Teile des Flugverkehrs. Zu den dezidiertesten Gegnern von E-Fuels im Autoverkehr gehört deshalb Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Bei E-Fuels in einem Auto verliere man 84 Prozent an Effizienz im Vergleich zu einem Elektrofahrzeug, betonte Spohr. Das zentrale Problem von E-Fuels ist in der Tat ihr extrem schlechter Wirkungsgrad.
Vieles deutet darauf hin, dass das Propagieren von „grünem“ Öl und E-Fuels vor allem dazu dient, möglichst lange fossile Brennstoffe zu verkaufen. Sehr deutlich formuliert hat das der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er sieht in E-Fuels für die Straße nur ein „Wolkenkuckucksheim“ mit dem Ziel, von der Elektrifizierung abzulenken und weiter fossil betriebene Verbrenner zu verkaufen. Wie problematisch das längerfristige Festhalten an fossilen Brennstoffen aber ist, zeigen nun – viel früher als von Unions-Wahlkämpfern erwartet – aktuell die massiven Preissteigerungen bei Öl und Gas wegen des Irankriegs.
Jens Spahn so hilfreich wie „Grüne Jugend“
Unter diesen Umständen kann der erhoffte Wahlkampfknüller zum Bumerang werden. Für die Union ist es ein zusätzliches Problem, dass die „Abschaffung des Heizungsgesetzes“ vor allem von Jens Spahn verkündet wurde, dem laut Umfragen mit Abstand unbeliebtesten Unionspolitiker. Für den Kampf um Stimmen in der politischen Mitte, dem sich der rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder verschrieben hat, ist Spahn ungefähr so hilfreich wie die radikale „Grüne Jugend“ für den Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir in Baden-Württemberg. Den Grünen gelang es aber, die „Grüne Jugend“ bis zum Wahlabend am 8. März versteckt zu halten. Jens Spahn verkündet dagegen seine Parolen lauthals vor jeder TV-Kamera, die er finden kann.
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