Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Greta, der Ablasshandel und die FDP

Aktenstapel? Das war gestern.
Aktenstapel? Das war gestern.

Wie die Liberalen zur klimaneutralen Bundestagsfraktion geworden sind. Der Pfälzer Mario Brandenburg sagt: „Bäume sollen unsere Luft filtern und nicht vollgeschrieben werden.“

In der Pfalz reden manche über das Sauwetter. In Brüssel reden Greta Thunberg und Ursula von der Leyen über das Klima. In Berlin redet die FDP-Bundestagsfraktion weder über das Wetter noch über das Klima. Sie handelt. Getreu dem rheinland-pfälzischen Motto „Wir machen’s einfach!“ Die FDP hat am Donnerstag verkündet: „Die Fraktion der Freien Demokraten ist die erste klimaneutrale Fraktion im Deutschen Bundestag.“

Zum Beispiel das Berliner Büro des Pfälzer Volksvertreters Mario Brandenburg (Rülzheim). Das arbeitet papierfrei. Brandenburgs papierlose Begründung klingt durchaus plausibel: „Bäume sollen unsere Luft filtern und nicht vollgeschrieben werden.“

Nicht nur Brandenburg ist digital. Die ganze Fraktion hat ihre Arbeitsweise umgestellt. Mehr noch: Die Fraktion habe ihren jährlichen CO2-Fußabdruck seit Beginn der Legislaturperiode ermittelt, sagt der Erste Parlamentarische Geschäftsführer Marco Buschmann. Ob Dienstreisen der Volksvertreter, Arbeitswege der Mitarbeiter, Veranstaltungen, Strom – nichts will die FDP vergessen haben. Sogar das Büromaterial hat sie bei der Berechnung der Emissionen berücksichtigt. Da ist ganz schön was zusammengekommen: 940 Tonnen liberales Kohlendioxid sind in die Luft geblasen worden.

Der Ablasshandel

Um das auszugleichen, hat die Fraktion EU-Emissionsberechtigungen kaufen lassen für 29,77 Euro pro Tonne CO2. Das macht fast 28.000 Euro, gezahlt von der Fraktion.

Der Deal ist eine Art Ablasshandel. Er geht ungefähr so: Eine Organisation kauft bei der EU Emissionsrechte und lässt sie im EU-Register wegsperren. Diese Emissionsrechte sind damit quasi stillgelegt.

Der Rülzheimer Abgeordnete Mario Brandenburg nimmt die Sache mit den Klimarettung offenbar noch ernster. Denn er sagt: In Berlin habe er sich eine Wohnung in der Nähe des Bundestages genommen. So könne er zu Fuß zur Arbeit gehen. Und als Hobbygärtner kaufe er regionale Produkte ein.

Die FDP findet, sie setze mit ihrer fraktionellen Klimaneutralität „neue Maßstäbe durch das Zusammenspiel von Technologie, Markt und Klimaschutz“. Allerdings ist nicht abschießend geklärt, ob die Liberalen tatsächlich die ersten Klimaneutralen sind. Denn die üblichen Verdächtigen in dieser Frage, die Grünen, arbeiten noch an der Antwort auf eine Anfrage, wie es um ihre Klimaneutralität bestellt sei.