WM-Gastgeberland USA RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball-WM: Unbehagen vor dem Anpfiff

Er soll für Stimmung sorgen: Weißkopfseeadler „Clutch“ ist eines von drei WM-Maskottchen.
Er soll für Stimmung sorgen: Weißkopfseeadler »Clutch« ist eines von drei WM-Maskottchen.

Abzocke und Ausgrenzung: Trumps Amerika wirkt als Mit-Gastgeber der WM mit Mexiko und Kanada wie der falsche Ort zur falschen Zeit für ein Fußballfest.

Issa Laye Diop hat noch keine der drei Weltmeisterschaften verpasst, zu denen sich Senegal qualifiziert hat. Ob der Präsident des Fan-Clubs „Le 12ème Gaïndé“ in die USA reisen kann, weiß er nicht. Trotz der Versicherung von Fifa-Chef Gianni Infantino, der nach der Verleihung des eigens für Donald Trump erfundenen Friedenspreises im vergangenen Dezember erklärte: „Amerika heißt die Welt willkommen.“

Das gilt ausdrücklich nicht für Fans aus 19 Ländern, darunter die WM-Teilnehmer Senegal, Haiti, die Elfenbeinküste und Iran, die Trump mit einem Reisebann belegt hat. Bürger aus 20 weiteren Staaten erhalten nur in Ausnahmefällen ein Visum und müssen dafür eine Kaution von bis zu 15.000 Dollar hinterlegen, die sie bei der Ausreise zurückerhalten.

Iran? Italien? Iran!

Diop erzählte dem Magazin „New Yorker“, er habe sich dennoch um ein Visum beworben. Er hoffe, Trump könne sich am Ende umstimmen lassen und auch für Senegal Ausnahmen erlauben. So wie beim iranischen Team, das sich sportlich qualifiziert hat. Trump wollte es wegen des Kriegs zunächst durch Italien ersetzen. Bevor er dann erklärte, die Mannschaft sei willkommen.

Teure Fahrt zum Stadion

Gewiss widerspricht das den Statuten der Fifa, die einmal aus dem Geist des Friedens und der Völkerverständigung gegründet wurde. Demnach ist jede Diskriminierung gegen „ein Land, Privatpersonen oder Gruppen von Menschen“ verboten und kann mit dem Ausschluss aus dem Weltfußballverband geahndet werden. Als sich die USA während der ersten Amtszeit Trumps um die Ausrichtung bewarben, machte Infantino 2017 darauf aufmerksam, dass der später gerichtlich kassierte „Muslim-Bann“ das Land disqualifiziere.

Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus 2025 wollte die Fifa die Entscheidung nicht mehr umkehren. Dafür steht zu viel Geld auf dem Spiel. Eine Rekordsumme von geschätzt 13 Milliarden Dollar an Einnahmen, unter anderem aus Ticketverkäufen, Lizenzgebühren und Sponsorenverträgen. Ganz zu schweigen von den Investitionen an den Austragungsorten in den USA, Kanada und Mexiko.

Boykott-Diskussion ebbt schnell ab

Aus demselben Grund ebbte die Debatte über einen Boykott der Weltmeisterschaft in Trumps Amerika genauso schnell wieder ab, wie sie nach Beginn des Angriffskriegs gegen Iran aufgebrandet war. Das werde jenseits eines Bürgerkriegs in den USA selbst nicht passieren, meint der Sportsoziologe David Goldblatt vom Pitzer College gegenüber der „LA Times“. „Selbst wenn das alles nicht gut zu den offiziellen Erklärungen zum Weltfrieden und zum kosmopolitischen Feiern einer universalen Menschheit passt.“

Schon gar nicht zu dem goldenen „Fifa-Friedenspreis“, den Infantino bei der Auslosung der Gruppen im vergangenen Dezember an Trump als ersten Empfänger verlieh. Trump und Infantino versprachen gemeinsam, die Welt werde vom 11. Juni bis zum 19. Juli das größte Fußballspektakel aller Zeiten erleben. Gespielt wird in 16 Städten der drei Gastgeberländer. Elf davon liegen in den USA, drei in Mexiko, zwei in Kanada. Erstmals nehmen 48 statt zuvor 32 oder 24 Nationen teil. 104 Partien stehen an, das Finale steigt im MetLife Stadium in East Rutherford bei New York.

Weniger Reisen in die USA – trotz der WM

Bereits in der Vorrunde wird die deutsche Nationalmannschaft auf die Unterstützung Bengt Kunkels verzichten müssen. Der Vorsänger der deutschen Fankurve erklärte öffentlich, er werde nicht in die USA reisen. Die politische Situation, die weit verstreuten Austragungsorte und die enormen Preise machten das Turnier für ihn unattraktiv.

Kunkel ist nicht allein. Während Touristen aus zahlreichen Ländern Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens gezielt ferngehalten werden, meiden viele andere aus Europa freiwillig eine Reise nach Trumps Amerika. Die Anzahl der internationalen Gäste in den USA ging nach Branchenangaben im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr davor um 5,5 Prozent oder vier Millionen zurück. Und das trotz der Feierlichkeiten zu 250 Jahren Unabhängigkeit und der Fußball-WM. Wenige Wochen vor dem ersten Anstoß liegen die Buchungen bei den Unterkünften auf dem enttäuschenden Vorjahresniveau. „Die Weltmeisterschaft erfüllt sicher nicht die Erwartungen“, räumt der Chef der Hilton-Gruppe, Chris Nassetta, ein. Das trifft auch auf die vielen Privatleute zu, die ihre Unterkünfte anbieten. In Philadelphia sind nur 42 Prozent der Kurzzeitvermietungen gebucht, in Boston 55 Prozent. Der große Geldsegen bleibt bisher aus.

225 Dollar fürs Parken

Ein Abschreckungsfaktor dürften die Preise für Tickets und Transport sein, die regelrecht explodiert sind. Auf der offiziellen Wiederverkaufsseite tauchten kürzlich zwei Endspiel-Karten für Plätze hinter dem Tor auf. Der Verkäufer bot sie für 2,3 Millionen Dollar an – pro Ticket. Offiziell wurde ein Logenplatz im Finale über die dynamische Preisfindung der Fifa für bis zu 10.990 Dollar verkauft. Trotz gegenteiliger Beteuerungen der Organisatoren sind erschwingliche Karten Mangelware.

In den Himmel geschossen sind die Preise für Flüge in die USA und zwischen den Austragungsorten. Doch auch die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Spielstätten oder der Parkplatz kann so viel kosten wie ein Kurzstreckenflug.

In New Jersey ruft der Verkehrsbetrieb für die Bahnfahrt von der New Yorker Penn Station zum Finalstadion stolze 150 Dollar auf. Die Alternative mit dem Bus kostet 80 Dollar, das Parken 225 Dollar. New Jerseys Gouverneurin Mikie Sherrill schiebt die Schuld der Fifa zu. Der Weltfußballverband habe entgegen anderslautender Zusicherungen „null Dollar für den Transport zur Weltmeisterschaft bereitgestellt“. Es sei nicht einzusehen, warum die Steuerzahler die Zeche zahlen sollten.

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