Meinung Einflussnahme auf das RKI: Lauterbachs Lüge
Die Protokolle des RKI-Krisenstabs und die jetzt veröffentlichten E-Mails zwischen Gesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Chef Lothar Wieler zeigen: Lauterbachs Aussage aus dem Frühjahr dieses Jahres, er habe sich in die wissenschaftlichen Bewertungen des Robert-Koch-Instituts nicht eingemischt, war schlicht gelogen.
Dasselbe gilt für das Image, das er sich in der Anfangszeit der Pandemie aufgebaut hat: in der Corona-Politik Vorsicht walten zu lassen und sich dabei rein nach der Wissenschaft zu richten. Denn das Robert-Koch-Institut sah Anfang 2022 ein leicht gesunkenes Risiko durch das Coronavirus. Lauterbach hingegen sah diese neue Einstufung auch als Signal an die Bevölkerung: Es ist alles nicht mehr ganz so dramatisch. Infolgedessen gab es kein grünes Licht für die Einstufung. Im Hinblick auf die anstehende Ministerpräsidentenkonferenz wird es ihm dabei auch zumindest indirekt um konkrete Maßnahmen gegangen sein.
Die Empfehlung des RKI zurückzuhalten, mag Lauterbach formell zustehen. Die neue Einschätzung aber monatelang unter dem Tisch zu halten und schließlich einen Mitarbeiter darum bitten zu lassen, die Entscheidung zwar zu verkünden, aber bitte ohne die Medien darauf aufmerksam zu machen, ist nicht die Art und Weise, wie er von diesem Recht Gebrauch machen sollte. Die Möglichkeit, seine Entscheidung selbst zu kommunizieren, hätte es sicher gegeben.