Artenschutz Eine Bären-Polizei für Bayern?

Braunbären klettern auch mal über Zäune – so wie hier an einer rumänischen Schule.
Braunbären klettern auch mal über Zäune – so wie hier an einer rumänischen Schule.

Für Notfälle beim Auftauchen problematischer Braunbären fordert eine Allgäuer Landrätin die Gründung einer bewaffneten Sondereinheit. Doch nicht nur in Bayern wird über Meister Petz diskutiert.

Die Aufregung ist unvergessen: Im Mai 2006 war nach 170 Jahren erstmals wieder ein Braunbär in Bayern aufgetaucht. „Bruno“ war aus Italien über Österreich nach Deutschland gewandert. Das Problem war, dass „Bruno“ keine Scheu vor Menschen verspürte und sich immer wieder Siedlungen näherte. Dort verspeiste er Schafe, Schweine oder Hühner.

Der Mensch in Gestalt des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber erklärte „Bruno“ schließlich zum „Problembären“. Im Juni 2006 wurde Bruno, um Schlimmeres zu verhüten, erschossen – und steht nun ausgestopft in einem Münchner Museum. Darüber erregte sich so mancher und manche. Doch so ganz ohne ist die Sache nun halt auch wieder nicht: Eine Bärin, die im April 2023 in der italienischen Provinz Trentino einen Jogger tötete, ist „Brunos“ Schwester. Die lebt nun in Gefangenschaft, in einem Wildtierpark im Schwarzwald.

Jederzeit einsatzbereit

Doch nun gibt es neue Aufregung. Dieses Mal wegen einer Allgäuer Landrätin. Mit Verweis auf angebliche Bärennachweise in Bayern hat Indra Baier-Müller von den Freien Wählern bewaffnete Einheiten gefordert, die notfalls gegen Meister Petz zu Felde ziehen könnten.

Die Oberallgäuerin fordert in einem Schreiben an ihren Parteifreund, Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, die Gründung einer Bären-Polizei, die jederzeit einsatzbereit sein solle.

Das Umweltministerium betonte allerdings, derzeit sei laut den Experten des Landesamts für Umwelt nicht zu erwarten, dass sich Bären in Bayern dauerhaft ansiedelten. „Es gibt derzeit keinen Nachweis für einen Bären in Bayern“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Tod in den Karpaten

Die zuletzt im Freistaat gesichteten Braunbären wandern vermutlich – von Norditalien kommend – über Österreich zeitweilig auch in den Freistaat ein. Im Trentino gibt es nach einem Wiederansiedlungsprojekt inzwischen wieder 100 Braunbären. Dort, in Italien, ist es seit März indes wieder erlaubt, jährlich bis zu acht Bären abzuschießen, wenn die gefährlich geworden sind.

Vor diesem Hintergrund gibt es eine intensive deutsch-österreichisch-italienische Diskussion über Bären in freier Natur. Mitten hinein platzt jetzt diese Nachricht: Eine 19-jährige Wanderin ist in den rumänischen Karpaten durch einen Bären gestorben. Bukarest zufolge leben in den Karpaten 8000 Braunbären. Es ist die zweitgrößte Population in Europa, nach jener in Russland. Nun wird auch in Rumänien heftig über Bären gestritten.

x