Bundeswehr Ein Jahr für den Heimatschutz

Wirbt für den Freiwilligendienst im Heimatschutz bei der Bundeswehr: Annegret Kramp-Karrenbauer .
Wirbt für den Freiwilligendienst im Heimatschutz bei der Bundeswehr: Annegret Kramp-Karrenbauer .

„Dein Jahr für Deutschland“ – unter diesem Motto starteten am Dienstag die ersten Rekrutinnen und Rekruten den neuen Freiwilligendienst im Heimatschutz bei der Bundeswehr. Doch die Initiative ist umstritten. Kritik kommt von den Wohlfahrtsverbänden.

Mit 325 Freiwilligen hat die Bundeswehr ihren neuen Wehrdienst im Heimatschutz gestartet. Der Freiwilligendienst solle jungen Menschen die Möglichkeit geben, „sich in einer sehr flexiblen Art und Weise für Deutschland einsetzen zu können“, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Die Dienstleistenden durchlaufen zunächst eine siebenmonatige Ausbildung in Wohnortnähe und sollen danach der Reserve zur Verfügung stehen.

Großes Interesse

Insgesamt sollen in diesem Jahr 1000 Freiwillige ihren Dienst im Heimatschutz beginnen. Die Anzahl der Interessenten habe die Anzahl der freien Plätze deutlich überstiegen. Das Angebot richte sich vor allem an junge Leute, die sich für die Bundeswehr interessieren, sich aber „nicht so fest“ an sie binden wollen, sagte die Ministerin. Nach Bundeswehrangaben ist ein Sechstel der neuen Dienstleistenden weiblich.

Dreimonatige Spezialausbildung

Die größten Unterschiede zum klassischen freiwilligen Wehrdienst sind nach Ministeriumsangaben die „heimatnahe Einplanung im Reservistendienst“ nach der Ausbildung sowie der Verzicht auf Auslandseinsätze. Die Freiwilligen durchlaufen zunächst eine normale Grundausbildung, an die sich dann eine dreimonatige Spezialausbildung im Heimatschutz anschließt. Schwerpunkt ist dabei der Objektschutz. Die Ausbildung umfasst auch Bereiche wie Sanitätswesen und Brandschutz.

Umstritten ist der Begriff Heimatschutz. Kramp-Karrenbauer wies Kritik an der Bezeichnung des neuen Dienstes zurück. Der Begriff sei bewusst gewählt worden, sagte sie. Es sei ein „Fehler“ gewesen, „den Begriff Heimat, der uns allen am Herzen liegt, einfach den Rechten in diesem Land zu überlassen, die damit auch einen Missbrauch betreiben“, so die Ministerin. „Es wird Zeit, dass wir diesen Begriff wieder in die demokratische Mitte holen, dass wir ihn zurückerobern.“

„Eine Art Schnupperkurs“

Der neue Dienst steht unter dem Motto „Dein Jahr für Deutschland“. Er findet als Pilotprojekt der Streitkräftebasis statt und ist zunächst für ein Jahr festgelegt. Dann soll entschieden werden, in welcher Form das Projekt weitergeführt wird. Das Angebot ist laut Ministerium gedacht für die Zeit vor dem Beginn von Studium und Ausbildung, während einer beruflichen Veränderung oder während einer gewählten beruflichen Auszeit.

Der Wohlfahrtsverband Caritas kritisierte den freiwilligen Wehrdienst: „Die Bundeswehr sollte es als das bezeichnen, was es ist: Es ist eine Art Schnupperkurs für die Bundeswehr“, sagte der Präsident des katholischen Wohlfahrtsverbands, Peter Neher, dem ARD-Hauptstadtstudio. „Freiwilligendienste sind das Vorrecht der Zivilgesellschaft, nicht des Staates.“

Neher pocht stattdessen darauf, die bereits bestehenden Freiwilligendienste wie das Soziale Jahr, das Ökologische Jahr und den Bundesfreiwilligendienst zu stärken. Einen – noch dazu deutlich besser bezahlten – neuen zu schaffen, sei „blinder Aktionismus“, findet der Caritas-Präsident.

Bezahlung nach Soldatengesetz.

Die Verteidigungsministerin erklärte, die Bezahlung richte sich nach dem Soldatengesetz. Das Gehalt für die Freiwilligen beträgt nach Ministeriumsangaben rund 1400 Euro netto. Die Tage im Reservedienst werden mit mindestens 87 Euro pro Tag vergütet. Beim Bundesfreiwilligendienst hingegen entscheiden die Einsatzstellen, wie hoch das Taschengeld ausfällt. Die Höchstgrenze liegt bei 426 Euro.