Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Drei Schlüsselfiuren sind entscheidend für den Nahen Osten

Netanjahu setzt auf seinen guten Draht zum US-Präsidenten Trump.
Netanjahu setzt auf seinen guten Draht zum US-Präsidenten Trump.

Stabilisiert sich der Nahe Osten oder taumelt er in neue Kriege? Alles hängt davon ab, wie sich das Machtgefüge zwischen Iran, Israel und USA weiter entwickelt.

Benjamin Netanjahu, Donald Trump und Ali Khamenei sind die Schlüsselfiguren für den Nahen Osten – für die Frage, ob die Region 2026 neue Kriege erleben wird oder ob das neue Jahr mehr Stabilität bringt. In den kommenden zwölf Monaten steht Netanjahu vor Neuwahlen, Trump könnte nach den US-Kongresswahlen an Einfluss verlieren, und für den 86-jährigen Khamenei rückt die Regelung seiner Nachfolge immer mehr in den Mittelpunkt.

Das Jahr 2025 hat die Machtverhältnisse in der Region eindeutig geklärt. Der Gaza-Krieg endete mit der Niederlage der iranisch unterstützten Hamas. Trumps Friedensplan erlegt Israel keinen Zeitplan zum Truppenabzug auf und erklärt das Küstengebiet zu einem internationalen Protektorat unter amerikanischer Kontrolle. Eine Zwei-Staaten-Lösung für das friedliche Zusammenleben von Israelis und Palästinensern liegt in weiter Ferne. Die israelische Regierung spricht offen darüber, jüdische Siedler in Teile des Gazastreifens zu schicken.

Regime im Iran unter großem Druck

Der Krieg Israels und der USA gegen den Iran im Juni demonstrierte der Welt die erdrückende militärische Überlegenheit der beiden Länder. Die iranische Revolutionsgarde, die sich in ihrer Propaganda als unbesiegbare Elitetruppe darstellt, konnte die feindlichen Luftangriffe nicht abwehren. Trump drohte Teheran jetzt bei einem Treffen mit Netanjahu gar mit neuen Militärschlägen.

Der Iran hatte zuvor wichtige Verbündete verloren: Die Hisbollah im Libanon wurde von Israel besiegt, in Syrien stürzte Baschar al-Assad. Von diesen Rückschlägen hat sich Teheran nicht erholt. Das bedeutet zwar nicht, dass die Führung ihre Hegemonialträume aufgegeben hat. Doch im neuen Jahr dürfte sich Revolutionsführer Khamenei darauf konzentrieren, einen Zusammenbruch seines theokratischen Staates zu verhindern. Dafür muss der greise Regimechef einen möglichst glatten Übergang auf den künftigen Revolutionsführer organisieren. Zum ersten Mal seit ihrer Gründung 1979 steht die Islamische Republik vor einem Generationswechsel. Das Regime steht auch von innen unter existenzbedrohendem Druck, denn im Land sind neue Proteste aufgeflammt.

Trump will noch einen Friedensvertrag

Netanjahu könnte die prekäre Übergangsphase nutzen, um das Regime in Teheran mit neuen Angriffen weiter zu schwächen. Doch Israels Premier muss sich auch um seine eigene Zukunft kümmern. Spätestens im Oktober wählen die Israelis ein neues Parlament, und Umfragen zufolge hat Netanjahus Koalition keine Mehrheit mehr. Der Premier wird von vielen dafür verantwortlich gemacht, dass Israel vom Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 überrumpelt wurde.

Netanjahu setzt auf seinen guten Draht zum US-Präsidenten, der in Israel so beliebt ist wie in keinem anderen Land der Welt. Aber er hat keine Carte Blanche von Trump. Dieser will bis zum Ende seiner Amtszeit einen Friedensvertrag zwischen Israel und Saudi-Arabien sehen, doch die Saudis verlangen als Vorbedingung ein Bekenntnis Israels zur Gründung eines Palästinenser-Staates, was Netanjahu ablehnt.

Die Dynamik im Machtdreieck Trump, Netanjahu und Khamenei wird also das neue Jahr für mehr als 300 Millionen Menschen im Iran, in den arabischen Staaten und in Israel maßgeblich bestimmen.

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