Tankerkrieg RHEINPFALZ Plus Artikel Donald Trumps Nadelstiche gegen Maduro

Der von den USA geenterte Tanker „Skipper“ auf dem Weg nach Texas.
Der von den USA geenterte Tanker »Skipper« auf dem Weg nach Texas.

Keine direkten militärischen Aktion auf dem Festland gegen Machthaber Nicolás Maduro. Trumps Motto lautet eher: Nerven, drohen und Nadelstiche setzen.

Nach den wohl völkerrechtswidrigen Angriffen auf Schnellboote in Karibik und Pazifik gehen die USA inzwischen dazu über, dem venezolanischen Regime wirtschaftlich den Sauerstoff zu nehmen. Das heißt: Erdölexporte verhindern und so Maduros Regime die Existenzgrundlage entziehen. Den Auftakt machte am Mittwoch das Kapern eines Schiffes der venezolanischen Geisterflotte durch die US-Marine. Der mit Sanktionen belegte Tanker „Skipper“ wird nach Texas gebracht. Die darauf geladenen 1,1 Million Fass Rohöl behalten die USA.

Maduro tobte, nannte den Überfall auf den Tanker durchaus zurecht einen Akt der Piraterie. Das klamme Regime schmerzt aber vor allem der Verlust des Rohöls im Wert eines hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrages. Derzeit produziert Venezuela rund eine Million Fass Öl am Tag, ein Drittel der Fördermenge aus früheren Jahren. Der Rohstoff ist jedoch mit Sanktionen belegt, was den Export kompliziert macht. Der Großteil wird seit langem über den grauen Markt nach China und Indien verschifft. Dazu werden oft die Tanker der Schattenflotte genutzt, zu der auch die „Skipper“ gehört.

USA reißen sich das Öl unter den Nagel

Laut der „New York Times“ war der Tanker zunächst Richtung Kuba gestartet. Das gehe aus internen Daten des Staatskonzerns „Petróleos de Venezuela“ (PDVSA) hervor. Im Verlauf der Fahrt wurde ein Teil des geladenen Rohöls in einen anderen Tanker gepumpt. Dieser sei dann Richtung Kuba gefahren. Die „Skipper“ wiederum sei mit dem Großteil des Öls Richtung Asien unterwegs gewesen. Quelle dafür sind US-Regierungsvertreter.

Brüche im Machtapparat?

Die kommunistische Regierung in Havanna erhält seit den Zeiten von Hugo Chávez (1999 bis 2013) Öllieferungen, um Wirtschaft und Stromversorgung am Laufen zu halten. Aber die venezolanischen Lieferungen an den Verbündeten sanken dieses Jahres um fast 15 Prozent. Laut internen Dokumenten von PDVSA erhält die Insel nur noch 27.400 Fass pro Tag.

Dass die USA den Tanker „Skipper“ ausgerechnet an dem Tag festsetzten, an dem María Corina Machado in Oslo den Friedensnobelpreis entgegennehmen sollte, ist kein Zufall. Der politische Druck durch die Auszeichnung für Maduros härteste Gegnerin und der wirtschaftliche Druck sollen den Autokraten in Caracas weiter in die Enge treiben.

Allein die Tatsache, dass es die 58-jährige Oppositionschefin überhaupt schaffte, aus ihrem Versteck in Caracas nach Oslo zu kommen, ist ein Rückschlag für Maduro. Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ schreibt, erhielt Machado bei ihrer Flucht auch Hilfe von staatlicher Seite. Das könnte bedeuten, dass die Risse im bisher so einheitlichen Machtapparat der Chavisten-Machthaber größer werden.

Peking und Moskau hüllen sich in Schweigen

Auch Maduros Verbündete in Peking und Moskau sind derzeit erstaunlich still, allen voran Russlands Diktator Wladimir Putin. Erst Ende der Woche telefonierte er wohl mit Maduro, wobei angeblich die Entwicklung der „freundschaftlichen“ Beziehungen beider Staaten erörtert wurden. Unverbrüchliche Solidarität, die sonst beschworen wird, sieht freilich anders aus.

Am Donnerstag erhöhte Washington den Druck noch weiter. Sechs Reedereien wurden mit Strafen belegt, deren Schiffe venezolanisches Öl transportieren. Zudem verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen drei Neffen von Maduros Ehefrau Cilia Flores, denen Rauschgifthandel vorgeworfen wird.

Zur Eskalation zwischen Trump und Maduro wird es kommen, sollte Machado ihre Ankündigung demnächst wahr machen und nach Venezuela zurückkehren. Das wird sicher nicht in den kommenden Tagen sein. Die Politikerin nutzt das aktuelle Rampenlicht, um öffentlich mehr Druck auf Maduro zu fordern. Zudem will sie nach eigenen Worten Zeit mit ihrer Familie verbringen und sich medizinisch untersuchen lassen.

Rückkehr Machados im neuen Jahr?

Machado, die einen Militäreinsatz gegen Maduro befürwortet, wird vermutlich im neuen Jahr in die Heimat zurückkehren. Wird sie dann festgenommen oder genauso heimlich wieder in Ihrem Versteck verschwinden können? Sollte Maduro den Haftbefehl gegen sie vollstrecken, wird er einen militärischen Schlag der USA kaum noch vermeiden können. Trump wurde bereits gefragt, was eine Festnahme der Oppositionellen bedeuten würde: „Das würde mir nicht gefallen“, antwortete er.

In der Wirtschaftswelt kursiert bereits länger eine wenig schmeichelhafte Charakterisierung des US-Präsidenten, weil er nach großen Zollankündigungen oft vieles wieder zurücknimmt. Unter Ökonomen heißt es deshalb, er schließe „Taco-Deals“ ab. Das Kürzel steht für: „Trump always chickens out“. „Trump kneift immer.“ Im Konflikt mit Venezuela könnte ihm ein ähnlicher Stempel drohen.

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