Künstliche Intelligenz
Doch, Rechtschreibung ist wichtig
Kürzlich hat Winfried Kretschmann für Aufregung nicht nur bei Lehrern gesorgt. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ gab der einstige Biologielehrer und heutige grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg nicht nur zu Protokoll, dass er Schüler an Kröten lecken ließ. Er frage sich auch, wie wichtig das Beherrschen der Rechtschreibung für Schülerinnen und Schüler noch sei, „wenn das Schreibprogramm alles korrigiert“.
Der 75-Jährige äußerte sich damit überraschend pragmatisch mit Blick auf die Entwicklung in der technischen Moderne. Der Rat für deutsche Rechtschreibung, angesiedelt in Mannheim, also in Kretschmanns Bundesland, sieht das genau anders. Das gemeinsame Gremium der deutschsprachigen Länder warnte am Freitag davor, dass sich insbesondere Nutzer von Programmen mit Künstlicher Intelligenz zunehmend auf technische Systeme verließen. Mit dem Ergebnis, dass die Fähigkeit, sich richtig schriftlich auszudrücken, weiter abnehme. Das zeige sich auch am Arbeitsplatz, monierten die Verfechter korrekter Schreibweisen: Vielen Bewerberinnen und Bewerbern fehlten sprachliche Fähigkeiten „und damit Kompetenzen, die ihnen etwa eine gute Position in Beruf und Gesellschaft ermöglichen könnten.“
Es geht um mehr als um Wortreihen
In der Tat ist das Ganze, um mit einem Großmeister der deutschen Sprache, Theodor Fontane, zu sprechen, „ein weites Feld“. Denn selbst wer nur noch digital unterwegs ist, muss ja Fähigkeiten zum Umgang mit Texten mitbringen. Sonst geht er oder sie schon angesichts der Masse darin unter und kann die wichtigen Informationen nicht herausfiltern. Bei Sprache geht es eben immer um mehr als um das statistisch richtige Aneinanderreihen von Wörtern – ein Job, den die KI inzwischen super erledigt! Es geht um Verständnis, Hinterfragen. Mitdenken. Und um Verbindendes. Dank Rechtschreibung kommt es zu weniger Missverständnissen, weil (zumeist) alle Teilnehmer unter dem Geschriebenen das Gleiche verstehen. Es schadet also nicht, Rechtschreibung zu beherrschen.
Dass man sich nicht einfach auf technische Systeme verlassen sollte, zeigt auch dieses Beispiel: Im März hat die Technische Universität München gleich mehrere Bewerber für Masterstudiengänge abgelehnt, weil deren Bewerbungsessays verdächtig gut waren – und wohl mit Hilfe von KI verfasst wurden. Lieber also nicht abhängig werden.