Bahn-Tarifrunde
Die Lokführergewerkschaft kann auch anders
Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn (DB) und der Lokführergewerkschaft trieben in den vergangenen Jahren Bahnnutzern regelmäßig Schweißperlen und Zornesfalten auf die Stirn. Wurden die Gespräche doch wiederholt von – teils tagelangen – Streiks flankiert. Etwa zum Jahresbeginn 2024, als die GDL die DB-Beschäftigten zu einem mehrtägigen Ausstand aufrief.
Und heute? DB und GDL stecken schon wieder in Verhandlungen – ohne dass sich das nach außen hin wirklich bemerkbar machen würde. Gestreikt werden kann derzeit ohnehin nicht: Beide Seiten haben sich auf eine Friedenspflicht bis Ende Februar verständigt. Aber auch schlagenzeilenträchtige Tiraden seitens der Gewerkschaftsspitze gegen die DB-Konzernführung sind nicht zu vernehmen. Stattdessen beschrieb DB-Personalvorstand Martin Seiler die Atmosphäre in der dritten und bislang letzten Verhandlungsrunde als „sachlich und konstruktiv“ – freilich ohne dass eine Einigung in Sicht wäre.
Augenfällige Unterschiede zu Weselsky
Seilers Gegenüber am Verhandlungstisch ist Mario Reiß. Für den Sachsen ist es die erste Tarifrunde als GDL-Vorsitzender – oder sollte man besser sagen: Für GDL und Deutsche Bahn ist es die erste Tarifrunde mit Reiß an der Spitze. Jedenfalls sind die Unterschiede zu dessen Vorgänger Claus Weselsky, den Reiß im Herbst 2024 ablöste, augenfällig. Weselsky ging keinem – öffentlichen – Konflikt aus dem Weg, heizte die Atmosphäre durch heftige Attacken auf Bahn-Verantwortliche an. Und war auch nicht zimperlich, wenn es darum ging, zum Streik aufzurufen. Sein Nachfolger pflegt einen anderen Stil. Reiß hatte im Vorfeld der Verhandlungen im Gespräch mit der RHEINPFALZ Streiks zwar nicht ausgeschlossen, aber angekündigt, damit „sehr, sehr verantwortungsvoll“ umgehen zu wollen.
Die momentane Ruhe bedeutet freilich nicht, dass die Verhandlungen ein Selbstläufer wären. Die GDL fordert insgesamt acht Prozent mehr Geld, will dabei eine völlig neue Tarifstufe einführen. Einigkeit besteht, Stand jetzt, vor allem darüber, dass die jeweiligen Positionen noch weit auseinanderliegen.
Um weiterzukommen, setzen sich DB und GDL an diesem Montag erneut zusammen – und wollen sich ungewöhnlich viel Zeit geben, nämlich ganze fünf Tage. Und sollten selbst die nicht reichen, gibt es einen weiteren mehrtägigen Verhandlungstermine.