Epstein-Skandal RHEINPFALZ Plus Artikel Die Beichte des Bill Gates

Bitte um Entschuldigung: Bill Gates.
Bitte um Entschuldigung: Bill Gates.

Der Microsoft-Gründer bekennt sich zu seinen Epstein-Kontakten – und zu zwei Affären.

Auch Milliardäre sind nur Menschen, und hohe Intelligenz schützt nicht vor Torheiten. Microsoft-Gründer Bill Gates liefert für beide Behauptungen einen neuen Beleg. In einer an eine Beichte erinnernden Ansprache vor Mitarbeitern der Gates Foundation bat der 70-Jährige nicht nur um Entschuldigung für frühere Kontakte zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Gates gestand auch Affären mit zwei Russinnen, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten.

Bill Gates war lange so etwas wie der „good guy“ unter den Tech-Milliardären, wirkte wie ein sympathischer Gegenentwurf zu jemandem wie Elon Musk. Über die von ihm und seiner Ex-Frau Melinda Gates gegründete Gates Foundation spendete er zig Milliarden für wohltätige Zwecke, den Kampf gegen Armut, eine bessere Bildung und Gesundheitsversorgung. Obendrein kündigte er an, den allergrößten Teil seines auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzten Vermögens der Stiftung zukommen zu lassen.

Schatten auf Gates’ Gloriole

Alles fast zu schön, um wahr zu sein. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Schatten auf Gates’ Gloriole fielen. 2021 gaben er und seine Frau Melinda nach 27 Ehejahren ihre Scheidung bekannt. Was bei Normalsterblichen in allererster Linie Privatsache ist, ist bei Menschen vom Schlag Bill Gates Gegenstand großen öffentlichen Interesses.

In die Privatsphäre gehören eigentlich auch die beiden Affären, die Gates nun eingestand. Offenbar aber hat Jeffrey Epstein sein Wissen darüber genutzt, um Gates unter Druck zu setzen und zu drohen, mit der Veröffentlichung der Liebschaften dessen Image als Saubermann in den Dreck zu ziehen.

Bitte um Entschuldigung

Dieses Image ist ohnehin befleckt, seit Gates’ Kontakte zu Epstein bekannt sind. Und so gleicht sein Auftritt vor der Foundation einer Art Vorwärtsverteidigung: Gates räumte die frühere Verbindung zu Epstein ein, bezeichnete sie als „riesigen Fehler“, für den er ausdrücklich um Entschuldigung bat – betonte aber zugleich, nichts Illegales oder Strafbares getan zu haben. Offensichtlich ging es ihm darum, durch Offenheit den durch ihn verursachten Schaden nicht nur für sich, sondern auch für seine Stiftung zu begrenzen.

Gates’ Einlassungen sind mehr, als von so manch anderem ehemaligen Epstein-Bekannten bislang zu hören war. Das letzte Wort dürfte aber auch für ihn in diesem Skandal, dessen Ausmaß einfach nur fassungslos macht, noch nicht gesprochen sein.

x