Frankreich
Der Rechtspopulist und seine Prinzessin
Das junge Pärchen scheint den Fotografen nicht zu bemerken, der ihm bei einem Spaziergang am Meer auf Korsika diskret gefolgt ist. Von weitem fängt er mit seiner Kamera ein, wie die beiden angeregt ins Gespräch vertieft sind, wie ihre Hände sich zart berühren. Es handle sich um „ein unglaublich unkonventionelles Paar“, schreibt die französische Illustrierte „Paris Match“, die eines der Fotos auf ihrer aktuellen Titelseite zeigt, äußerst wohlwollend: Er, Jordan Bardella, sei ein „Politiker des Volks, dessen Aufstieg unbestreitbar ist“. Sie, Maria Carolina von Bourbon-Sizilien, „eine Prinzessin aus dem höchsten Adel“. Er wollte die Zukunft schreiben, sie sei eine „Hüterin der Vergangenheit“. Beides ergänze sich wunderbar, befindet das Blatt.
Traditionell wählen Politikerinnen und Politiker in Frankreich „Paris Match“, um sich von ihrer ganz persönlichen Seite zu zeigen. Deshalb erscheint die Enthüllung der Liebesbeziehung zwischen dem Chef des rechtsextremen Rassemblement National (RN) und der italienischen Prinzessin alles andere als spontan, sondern als das Ergebnis einer sorgfältig inszenierten PR-Kampagne. Erste Gerüchte gab es bereits im Januar, als ein Video die beiden zeigte, wie sie nach einer Abendveranstaltung in Paris dasselbe Auto bestiegen.
Bei jungen Menschen beliebt
Der 30-Jährige gehört zu den beliebtesten Politikern Frankreichs. 3,6 Millionen Menschen, darunter sehr viele junge, folgen ihm in den sozialen Medien. Sollte ein Berufungsgericht im Juli die RN-Frontfrau Marine Le Pen wegen Veruntreuung von EU-Geldern erneut verurteilen, tritt er bei der Präsidentschaftswahl 2027 an.
Maria Carolina von Bourbon-Sizilien, die auch eine Nachfahrin des Sonnenkönigs Ludwig XIV. ist, berichtet als Influencerin von ihrem Jet-Set-Leben und präsentiert Luxusprodukte. Ihr Leben sei nicht wie im Märchen, betonte sie in einem Interview. Ihr Titel bringe Verantwortung und Verpflichtungen mit sich, auch weil ihr Vater ihr die Nachfolge als Oberhaupt der königlichen Familie anvertrauen will.
Weit weg von „einfachen Menschen“
Es ist unklar, ob die Liaison mit einer schwerreichen Aristokratin dem Chef einer Partei, die das „einfache Volk“ zu vertreten vorgibt, eher nutzen oder schaden kann. Bardella betont gerne, dass er, der als Sohn italienischer Einwanderer im Pariser Vorort Saint-Denis in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, die sozialen Probleme der Menschen kenne. Zweifelsohne besser als seine neue Auserwählte.