Politik Der Große Krieg

Der letzte der Poilus, wie die Franzosen die Veteranen des Ersten Weltkriegs nennen, ist im Mai 2011 im Alter von 110 Jahren gestorben. Dem Elan, mit dem die Nation die Erinnerung an den Großen Krieg wach hält, hat das keinen Abbruch getan. Das vierjährige Blutvergießen, der so teuer erkaufte Sieg, all dies hat sich tief ins kollektive Bewusstsein eingegraben.
Für den Historiker Max Gallo zählt der Erste Weltkrieg zu den „prägendsten Ereignissen der französischen Geschichte, vergleichbar mit der Zeit Napoleons“. Der 11. November, der Jahrestag des Waffenstillstands von 1918, ist in Frankreich denn auch Feiertag. Der Staatschef pflegt eine Ansprache zu halten, die Veteranen zu würdigen, den Frieden in Europa zu preisen und am Pariser Triumphbogen einen Kranz niederzulegen. Und selbst ein der Zögerlichkeit geziehener Präsident wie François Hollande legt Elan an den Tag, wenn es gilt, den Großen Krieg zu würdigen. Anstatt das Jubiläumsjahr 2014 abzuwarten, hat der Sozialist den Reigen der Gedenkveranstaltungen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im vergangenen November mit einer aus dem Élysée-Palast übertragenen Festrede eröffnet. Das der Politikverdrossenheit gescholtene Volk macht beim feierlichen Gedenken entschlossen mit. In Scharen folgen Franzosen dem Aufruf der Nationalen Bibliothek Frankreichs, durchforsten Keller und Speicher nach Briefen, Lebensmittelkarten, Fotos und anderen Weltkriegs-Dokumenten, die digitalisiert ins Internet gestellt und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden sollen. Landesweit können die Fundstücke an mehr als 70 Sammelstellen abgegeben werden. Zahlreiche Museen warten mit Sonderausstellungen auf, erhellen hier den Beitrag der „Briten im Krieg“, beleuchten dort unter dem Motto „August 1914, alle in den Krieg“ den Ausbruch der Kämpfe. Die Höhepunkte freilich setzt die Politik. So wird François Hollande am Nationalfeiertag, dem 14. Juli, Vertreter aller damals Krieg führenden Nationen bitten, bei der Militärparade auf den Champs-Élysées in Paris mitzumarschieren. Am 2. August, dem Jahrestag des Kriegsausbruchs, wird der Staatschef den Bundespräsidenten Joachim Gauck im Elsass empfangen. Es folgen im September die Reise Hollandes nach Reims, wo der Präsident der blutigen Schlacht an der Marne gedenken will, und am 11. November schließlich die Einweihung einer Gedenkstätte im nordfranzösischen Notre-Dame-de-Lorette, wo 1915 allein auf Seite der Alliierten mehr als 100.000 Tote zu beklagen waren.