Politik Corona-Pandemie: Lauterbach zieht positives Fazit

Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach äußerte sich vor der Enquete-Kommission als Sachverständiger.
Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach äußerte sich vor der Enquete-Kommission als Sachverständiger.

Auch nach der Pandemie sorgen die Corona-Impfungen für Diskussionen. Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach zieht in der Enquete-Kommission dennoch ein positives Fazit.

Es sei nicht alles perfekt gelaufen, aber Deutschland sei verhältnismäßig gut durch die Corona-Pandemie gekommen, sagte der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Pandemie am Donnerstag. „Das verdanken wir auch den Impfungen“, so Lauterbach, der von 2021 bis 2025 Gesundheitsminister war. Es sei wissenschaftlicher Konsens, dass die weltweite Anzahl der Corona-Todesfälle nur wegen der Impfungen nicht wesentlich höher ausgefallen sei.

Die Impfung habe durchaus ihre Risiken gehabt; als Nebenwirkungen seien vereinzelt Thrombosen und Herzmuskelentzündungen aufgetreten. Es gebe jedoch keinen Impfstoff, der so gut untersucht worden sei wie der Corona-Impfstoff.

Kritik an Zulassung

Dem widersprach der Toxikologe Helmut Sterz, der auf Vorschlag der AfD als Sachverständiger in die Kommission eingeladen war. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer sei nicht hinreichend getestet worden; unter anderem seien die Toxizitätsstudien an Ratten als ausreichend anerkannt worden, um den Impfstoff für Menschen freizugeben. „Das wäre bei einem Killervirus wie Ebola akzeptabel, aber nicht bei einem Coronavirus, das im Grunde eine Grippe hervorruft“, so Sterz. Auch sei aus Zeitgründen nie überprüft worden, ob der Impfstoff krebserregend wirkt.

„Prüfschritte wurden nicht übergangen, sondern parallelisiert, um Zeit zu gewinnen“, entgegnete Lauterbach. „Das ist nicht auf Kosten der Sicherheit gegangen.“ Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass die Corona-Impfung negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit oder das Krebsrisiko hatte. Im Gegenteil seit die Sterblichkeit Krebskranker mit der Impfung sogar gesunken.

Reinhard Berner, seit 2024 Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko), betonte, dass sein Gremium die Empfehlungen für die Corona-Impfung unabhängig vom Gesundheitsministerium und dem Robert-Koch-Institut getroffen habe. Dafür gebe es ein standardisiertes Verfahren. Um für eine künftige Pandemie gewappnet zu sein, brauche die Geschäftsstelle der Stiko allerdings mehr Personal.

Kliniken zentralisieren

Lauterbach merkte ebenfalls an, dass die intensivmedizinische Versorgung zum Teil in Krankenhäusern erfolgt sei, die dafür nicht optimal geeignet waren. Das merke man daran, dass die Sterblichkeit unter den Patienten, die an eine künstliche Lunge angeschlossen waren, in Deutschland bei 75 Prozent lag. In Frankreich, wo die Krankenhauslandschaft deutlich zentralisierter sei, habe es auch eine deutlich geringere Sterblichkeit gegeben. Vor allem kleine Kliniken seien während der Pandemie oft an der Belastungsgrenze gewesen, sagte Christian Karagiannidis, Leitender Oberarzt und Professor für Pneumologie an der Universität Witten/Herdecke. Man müsse mehr mittelgroße Kliniken der Notfallstufe 2 schaffen, indem man kleinere Kliniken zusammenlege. Auch die emotionale Belastung für Ärzte und Pflegepersonal sei durch die vielen Todesfälle während der Pandemie sehr hoch gewesen. „Ein Schlüsselfaktor ist die psychologische Betreuung“, sagte Karagiannidis.

„Die Pandemie hat wichtige Lernprozesse angestoßen“, resümierte Lothar Wieler, während der Pandemie Leiter des Robert-Koch-Instituts. Er dankte „der großen Mehrheit“, die die Eindämmung der Pandemie erst möglich gemacht habe. „Das Vertrauen und die Unterstützung der Bevölkerung war von fundamentaler Bedeutung.“

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