Doppelt sparen in Luxemburg RHEINPFALZ Plus Artikel Bus, Tram und Bahn: Alles kostenlos, auch für Touristen

Erst wenn der Schaffner in die Trillerpfeife bläst, geht’s los.
Erst wenn der Schaffner in die Trillerpfeife bläst, geht’s los.

Wer einen Tag in Luxemburg verbringen will, lässt sein Auto besser stehen. Vor der Heimfahrt aber volltanken: Der Sprit ist zurzeit 50 Cent billiger.

Schön ist’s, an einem sonnigen Märztag durch das gemütliche Städtchen Esch im Südwesten Luxemburgs zu schlendern. Doch Esch ist an diesem Nachmittag einen Tick zu gemütlich.

Im Bahnhof von Esch ist der Name groß auf Französisch und klein auf Luxemburgisch zu lesen.
Im Bahnhof von Esch ist der Name groß auf Französisch und klein auf Luxemburgisch zu lesen.

Vielleicht will man sich doch lieber in ein belebtes Straßencafé im historischen Zentrum der Hauptstadt setzen? Kein Problem. Ab zum Bahnhof, und 40 Minuten später bestellt man seinen Espresso im „Wëllem“ in der Oberstadt zwischen Kathedrale, Palast, Parlament und Staatskanzlei.

Das Café „Wëllem“ (links) zwischen Kathedrale, Palast und Parlament.
Das Café »Wëllem« (links) zwischen Kathedrale, Palast und Parlament.

Hier, im hoch gelegenen Herzen Luxemburgs, flanieren an diesem Mittwochnachmittag Einheimische und Besucher; die Beamten aus den Ministerien sind etwas geschäftiger unterwegs. Zwischen Krautmarkt, Fischmarkt, Knuedler, Waffelplaz und Gëlle Fraa stehen prächtige Bauwerke aus der Zeit der Renaissance bis zum Neoklassizismus.

In der Luxemburger Oberstadt stehen der Palast des Herzogs (im Bild) und andere prächtige Bauten. In den Gassen rundum setzt man
In der Luxemburger Oberstadt stehen der Palast des Herzogs (im Bild) und andere prächtige Bauten. In den Gassen rundum setzt man sich gerne ins Straßencafé, schon im März.

Bei schönem Wetter bieten sich dem Besucher spektakuläre Ausblicke in fast alle Himmelsrichtungen: ins und übers Petruss-Tal, auf die Festungsanlagen, ins Tal der Alzette, nach Pfaffenthal und auf den dahinter liegenden Kirchberg.

Spektakuläre Ausblicke: hier über das Petruss-Tal.
Spektakuläre Ausblicke: hier über das Petruss-Tal.

Nach dem Espresso geht’s zu Fuß durch den Park vor dem schlossähnlichen Seniorenheim der Fondation Pescatore zum gläsernen, kostenlosen Panorama-Aufzug. Der rauscht innerhalb von Sekunden 70 Meter in die Tiefe, von wo aus es über die Alzette-Brücke zum Waschhaus geht, ein Treffpunkt mit Kneipp-Becken, dem die Luxemburger „d'Lidd vum Théiwesbur“, ein Volkslied, gewidmet haben.

Diesem Waschhaus haben die Luxemburger „d'Lidd vum Théiwesbur“ gewidmet.
Diesem Waschhaus haben die Luxemburger »d'Lidd vum Théiwesbur« gewidmet.

Vier Fußminuten später erreicht man den Bahnhof Pfaffenthal-Kirchberg, wo ein weiterer gläserner Aufzug einen nach oben zur Talstation der Seilbahn (Funiculaire) bringt. Diese fährt quasi minütlich aufs Kirchberg-Plateau. Da hat man nun die Wahl, ob man mit der Straßenbahn oder einem Leihfahrrad weiterfährt zum Sport- und Kulturkomplex d'Coque, zum Museum für moderne Kunst Mudam, zum Großkino, zur Philharmonie zu den EU-Gebäuden oder zur Expo.

Vorher zu viele Staus

Klar lässt sich eine Tour durch die Stadt auch mit dem Auto erledigen, aber das ist umständlicher und dauert länger, zumal einige Quartiere für Autos gesperrt sind. Luxemburg räumt Bus, Tram und Bahn den Vorrang ein. Seit 2020 kosten die Fahrten nichts mehr, damit Bewohner, Pendler und Touristen das Auto stehen lassen. Die nervenden, ständigen Staus, gerade zu den Stoßzeiten und die Belastung für die Umwelt waren die Hauptgründe. Außerdem deckten die Einnahmen aus dem Billettverkauf nur zehn Prozent der Kosten.

Der Hauptbahnhof von Luxemburg.
Der Hauptbahnhof von Luxemburg.

Luxemburg hat nicht nur die Tickets abgeschafft, sondern investiert auch massiv in den Ausbau des Netzes, in Straßenbahnlinien, Busspuren und Qualität. Die Bahnhöfe sind hell, sauber und sicher. Am Hauptbahnhof patrouillieren Sicherheitsleute in neongelben Westen, dazu Bahnmitarbeiter und Polizisten. Im beheizten, in hellem Holz gehaltenen Warteraum sind die Sitze gepolstert und nicht versifft. Ein Putzmann läuft mit Putzwägelchen herum und wischt alle Mülleimer sauber.

Sogar die Mülleimer am und im Bahnhof werden mehrmals täglich sauber gewischt.
Sogar die Mülleimer am und im Bahnhof werden mehrmals täglich sauber gewischt.

Trams, Züge und Busse fahren in engem Takt, ziemlich pünktlich, die Umsteigezeiten sind kurz. Hat ein Bus Verspätung, ist an der Haltestelle zu lesen, weshalb und wie viele Minuten. Und wenn man doch mal den Zug nach Ulflingen im Norden, nach Wasserbillig im Osten oder Düdelingen im Süden verpasst? Macht nichts, der nächste kommt spätestens in einer halben Stunde. Selbst abgelegene Bahnhöfe werden mindestens einmal pro Stunde angefahren.

Wer mit dem Auto einen Tagesausflug nach Luxemburg macht, um sich die Hauptstadt oder Städtchen anzusehen, die an einer Bahnstrecke liegen, sucht sich am besten hinter der Grenze den erstbesten Bahnhof aus, etwa den von Wasserbillig, den man via Trier und Autobahn 64 erreicht. Oder den von Bettemburg im Süden, zu dem die Autobahn 13 führt. Am Bahnhof gibt es ausreichend kostenlose Parkplätze, und in 21 Minuten kommt man vom Bahnhof Bettemburg ins Herz der Landeshauptstadt.

Der Bahnhof von Bettemburg in Südluxemburg: Ziemlich viele Gleise für eine Stadt mit 11.000 Einwohnern.
Der Bahnhof von Bettemburg in Südluxemburg: Ziemlich viele Gleise für eine Stadt mit 11.000 Einwohnern.

Die Züge, Trams und Busse sind außerhalb der Stoßzeiten nicht übervoll. Wer ziemlich allein im Abteil sitzen möchte, fährt erster Klasse, zahlt dafür dann aber einen Obulus.

Alles wunderbar also in Luxemburg? „Naja“, sagt ein Schaffner, der Wasser in den Wein gießt und deshalb seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Früher, als die Leute noch Fahrscheine kaufen mussten, war’s besser“, sagt er. Warum? Naja, es gebe auch im reichen Luxemburg Menschen, die nicht wüssten wohin mit sich. Die setzten sich dann frühmorgens oder nachts in den Zug, weil’s da warm und bequem ist und nichts kostet. „Die sind schwer rauszubekommen“, sagt der Schaffner. Wenn die dann anfingen, Schwierigkeiten zu machen, könne es zu brenzligen Situationen kommen. Er habe weder ein Spray noch sonst etwas dabei, um sich im Fall der Fälle zu verteidigen, außerdem werde pro Zug nur ein Schaffner eingesetzt. „Sicherheit geht vor“, sagt der Mann, „auch meine Sicherheit. Wenn die Person, die Rabatz macht, nicht mit Worten aus dem Zug zu bringen ist, dann fährt der Zug nicht. Anders geht’s nicht.“

Doch so oft komme das nun auch wieder nicht vor. Vor allem tagsüber seien die Fahrgäste ganz überwiegend angenehm. Dann lacht der Schaffner – und geht die Fahrkarten der Passagiere in der ersten Klasse kontrollieren.

Vorbild für Rheinland-Pfalz?

Kostenlose Bus- und Bahnfahrten für alle im ganzen Land: Wäre das auch was für Rheinland-Pfalz oder das Saarland? Nein, nicht übertragbar, meinen die Mobilitätsministerien der beiden Bundesländer auf Anfrage. Das sei finanziell nicht zu stemmen, denn der öffentliche Personenverkehr werde hier zu einem Drittel mit dem Fahrkartenverkauf bezahlt. Würde Rheinland-Pfalz Bus- und Bahnfahrten kostenlos anbieten, müsste das Land 500 Millionen Euro drauflegen. Beide Ministerien verweisen statt dessen auf das „sehr günstige“ Deutschlandticket.

Ein solches besitzt zurzeit nur eine Minderheit: 19 Prozent aller Rheinland-Pfälzer und nur 14 Prozent aller Saarländer kaufen sich das Deutschland-Ticket. Umgekehrt in Luxemburg: Dort fährt fast jeder regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nämlich genau 84 Prozent der Luxemburger.

Wo man in Luxemburg zwischendurch gut essen gehen kann.

Warum in Luxemburg die Welt noch in Ordnung ist.

Vor der Heimfahrt in die Pfalz: tanken nicht vergessen! Der Sprit ist in Luxemburg zurzeit bis zu 50 Cent billiger als in Deutsc
Vor der Heimfahrt in die Pfalz: tanken nicht vergessen! Der Sprit ist in Luxemburg zurzeit bis zu 50 Cent billiger als in Deutschland.
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