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BASF in China: Es glänzt und läuft im Vorzeigewerk
Mit einer möglichst fröhlichen und bunten Zeremonie warten Chinesen gerne auf, wenn es etwas zu feiern gibt, am liebsten begleitet von Tänzen im farbigen Löwenkostüm. Und es war vielen Menschen zum Feiern zumute an diesem Vormittag in Zhanjiang. In der am südchinesischen Meer gelegenen Siebenmillionenstadt eröffnete der Chemieriese BASF mit Hauptsitz Ludwigshafen seinen weltweit siebten und drittgrößten Verbundstandort nach Ludwigshafen und Antwerpen offiziell. Weitere der besonderen Standorte, an denen sich durch die unmittelbare Vernetzung wichtiger Anlagen effizienter produzieren lässt, sind im Osten Chinas in Nanjing, in Kuantan/Malaysia sowie in den USA mit Freeport und Geismar.
Grüße aus Peking und Berlin
Gefeiert wurde am Donnerstag in China mit Mitarbeitern, Kunden, Partnern und hochrangigen Mitgliedern der allmächtigen Kommunistischen Partei Chinas und der Regionalregierung. Der Parteichef der wachstumsstarken Provinz Guangdong, in der Zhanjiang liegt, war als hochrangigster Vertreter des Staates vor Ort. Aus Peking sandte der chinesische Wirtschaftsminister eine Videobotschaft. Sie war exakt genauso lang wie die Videonachricht von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Alles minutiös geplant. Reiche betonte, von der Zusammenarbeit Deutschlands mit China könnten beide Seiten profitieren. „Dass der Standort der BASF in Zhanjiang schneller und billiger als geplant fertig geworden ist, zeigt die BASF-Exzellenz. Dieses Projekt trägt zum Wachstum beider Volkswirtschaften bei.“
Die gastgebende Region Guangdong unterstrich, Chinas Präsident Xi habe kürzlich betont, das BASF-Projekt in Zhanjiang sei ein Zeichen der vertieften Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China.
Vor allem wegen des autoritären Systems in China, der allgemeinen Furcht vor einem militärischen Konflikt um Taiwan und Menschenrechtsfragen in dem Riesenreich kam immer wieder Kritik auf an der mit 8,7 Milliarden Euro höchsten Einzelinvestition der BASF-Geschichte. Der Vorstandsvorsitzende Markus Kamieth sprach an diesem Vormittag in Zhanjiang gut gelaunt und stolz davon, dass der nun auch offiziell eingeweihte und überwiegend schon seit Ende 2025 in Betrieb befindliche Standort zeige, „wie die Zukunft der Chemieindustrie aussieht“.
Der größte Teil der in Zhanjiang hergestellten über 70 chemischen Produkte zur Weiterverarbeitung durch die Kunden von BMW in China bis zum chinesischen Autostar BYD ist für den chinesischen Markt bestimmt. „Local for local“, so heißt die Strategie, die längst viele internationale Konzerne fahren. Auch Volkswagen forciert dieses Vorgehen in China, wie VW-Boss Oliver Blume jüngst erneut betont hat. Vor Ort produzieren für die Kunden in der Nähe.
Industrie der Industrien
Man sage den Kunden etwa in der Autobranche, die Spezialkunststoffe und vieles andere mehr bei der BASF kauft, nicht, wo sie Autos bauen sollen, sagte Kamieth in einem Pressegespräch am Vorabend im 28. Stock der Sheraton-Hotels in Zhanjiang mit toller Aussicht auf die Bucht und den Hafen. „Wir sagen den Kunden nur: Egal wo ihr auf der Welt produziert, wir haben dort das, was ihr braucht.“
Und Zhanjiang „ist für den chinesischen Markt gebaut, so wie Ludwigshafen und Antwerpen für den europäischen Markt bestimmt sind“. Er würde, sagte Kamieth, auch noch liebend gerne einen Verbundstandort in Europa bauen. „Aber leider gibt das die Nachfrage in Europa nicht her.“
Die Chemieindustrie als General-Zulieferer die Industrie der Industrien steckt infolge der allgemein bescheidenen wirtschaftlichen Lage in Europa in der Krise. Der europäische Chemiemarkt wächst schon länger kaum. Es gibt Überkapazitäten und Stellenabbau, gerade auch am BASF-Heimatstandort Ludwigshafen.
Der Markt in China indes trage trotz der aktuell niedriger als angenommenen Gewinnmarge erheblich zur Profitabilität des Gesamtkonzerns BASF bei. Und das sei auch gut für Ludwigshafen, sagte Kamieth. „Was für die Gruppe gut ist, ist gut für Ludwigshafen. Ohne Menschen aus Ludwigshafen mit ihrem Fachwissen, ihrem Knowhow, wäre der Standort Zhanjiang nie gebaut worden. Wir haben hier keine Anlage gebaut, für die wir in Ludwigshafen eine abgebaut haben. Es sind keine Stellen von Ludwigshafen nach Zhanjiang verlagert worden.“
In dem vier Quadratkilometer großen Standort mit Meerhafen arbeiten gut 2000 Beschäftigte, im flächenmäßig zweieinhalbmal so großen Ludwigshafener Stammwerk samt Konzernzentrale sind es noch etwa 32.000. In Zhanjiang sorgt die BASF für Stromversorgung durch Solar- und Windkraft, Ökostrom sei hier preisgünstiger als Strom aus fossilen Energien, sagte Kamieth. Chinesische Kunden fragten zunehmend, so der BASF-Chef, nach nachhaltig produzierten Gütern. In Zhanjiang stellt die BASF Basis- und Spezialchemikalien sowie Zwischenprodukte her etwa für die Autoindustrie, für Wasch- und Reinigungsmittel, Körperpflege oder Elektronik. Der moderne Steamcracker könne auch mit 75 Prozent Butan und nur 25 Prozent Naphtha betrieben werden. So könne man mit dem Steamcracker weiter wichtige Chemikalien produzieren, was viele Konkurrenten in Asien schon nicht mehr könnten aufgrund des Irankriegs und der Blockade der Straße von Hormus. Daher herrsche vielfach Naphtha-Knappheit in Asien, was Wettbewerber treffe, die für die Ethylen-Produktion auf Naphtha angewiesen seien.
BASF-Chef Kamieth ist stolz
Kamieth ist seit knapp zwei Jahren Vorstandschef der BASF. Und er ist trotz allgemeiner Krisenstimmung stolz auf das, was aus dem 2018 angekündigten Projekt geworden ist – ein schon jetzt, so die BASF, gut bis sehr gut ausgelasteter Standort. In rund zehn Jahren werde man zurückblicken können und sagen: Zhanjiang war genau die richtige Entscheidung angesichts des chinesischen Chemiemarktes, der schon jetzt die Hälfte des Weltmarktes ausmache, Tendenz steigend.
In Ludwigshafen Chemikalien produzieren, um sie an Kunden in China zu verkaufen, das rechne sich nicht, betonte Kamieth mit Blick auf Kritiker. Dafür sei allein der Transport zu teuer angesichts aktuell ohnehin niedriger Gewinnmargen bei vielen Produkten.
Die „Innovationskraft der BASF“ bilde die Grundlage für den Start des „nachhaltigsten Chemiestandorts in China“, sagte der für die Region Asien-Pazifik verantwortliche BASF-Technikvorstand Stephan Kothrade.
Und Kamieth äußert noch einen Wunsch. Den, „dass auch die Aniliner in Ludwigshafen stolz sind auf das, was die BASF hier in Zhanjiang geschaffen hat“. Das hochdigitalisierte und moderne, überall noch frisch riechende und neu funkelnde Werk werde zur Rentabilität des gesamten Konzerns in den nächsten Jahren einen erheblichen Beitrag leisten.
BASF-Chef Kamieth und sein Führungsteam waren an diesem schwülheißen Donnerstag im subtropischen bis tropischen Klima in einer wirtschaftlich stark wachsenden und stark geförderten Gegend zwischen Hongkong und Hanoi sichtlich stolz. Stolz, dass der Standort so schnell und günstig gebaut werden konnte. In den USA, hieß es am Donnerstag, müsste man mit den dreifachen Baukosten rechnen.
Und so gab es nach dem hochoffiziellen Teil am Donnerstag noch eine Feier – eine für die Mitarbeiter. Und in der Kantine gab es diesmal auch Brezeln und Frankfurter Würstchen. Zur Feier des Tages.


