Meinung
Auslandsreisen wehrfähiger Männer: Kommunikations-Desaster von Pistorius
Offenbar wuchs der Druck auf Verteidigungsminister Pistorius in den vergangenen Tagen so sehr, dass er sich zu einer Klarstellung gezwungen sah: Männer zwischen 17 und 45 Jahren müssen längere Auslandsreisen nicht von der Bundeswehr genehmigen lassen – obwohl diese Vorgabe genauso in Paragraf 3 des neuen Wehrdienstgesetztes steht. Eine Genehmigung sei nicht nötig, solange der Wehrdienst freiwillig bleibt, erklärte Pistorius.
Zumindest alle Männer, die kurz vor einem längeren Auslandsaufenthalt stehen, sind wohl vorerst erleichtert, sich dafür keine Erlaubnis abholen zu müssen.
Bärendienst für Wehrdienst
Doch die dilettantische Kommunikation des Verteidigungsministeriums in den vergangenen Tagen hat Spuren in der Bevölkerung hinterlassen und für Verwirrung gesorgt. Sofort hat sich bei vielen das unliebsame Gefühl breitgemacht, dass der Wehrdienst die persönliche Bewegungsfreiheit eben doch einschränkt. Besonders junge Menschen sind verunsichert, wie ernst Pistorius wirklich auf Freiwilligkeit setzt.
Außerdem können seine Aussagen durchaus auch als Drohung verstanden werden: Verpflichten sich zu wenig junge Männer freiwillig, kommt die Wehrpflicht und damit womöglich auch eine eingeschränkte individuelle Reisefreiheit. Statt den freiwilligen Wehrdienst attraktiver zu machen, hat die Debatte um die Meldepflicht vor allem das Misstrauen junger Menschen verstärkt.