Österreich
Amokläufer von Graz hatte Tat minutiös geplant
Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft gaben am Donnerstag weitere Details über den Amoklauf des 21-Jährigen im Gymnasium in der Grazer Dreierschützengasse bekannt. Demnach hat er den Ablauf „bis ins Detail geplant“, der handschriftliche Plan wurde bei der Wohnungsdurchsuchung gefunden. Er habe „sich genau darüber informiert und Gedanken gemacht, wann er welches Stockwerk sich vornimmt“, sagte der Leiter des Landeskriminalamts Steiermark, Michael Lohnegger.
Der Täter betrat seine ehemalige Schule am Dienstag um 9.43 Uhr durch den Haupteingang mit einem Rucksack, in dem er eine abgesägte Schrotflinte, eine Pistole der Marke Glock und Munition verstaut hatte. Zu dem Zeitpunkt befanden sich rund 400 Schüler in dem Gebäude. Der 21-Jährige bereitete sich zunächst auf einer Toilette auf den Amoklauf vor, betrat danach eine Klasse und schoss wahllos auf die Schüler. Zehn Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und eine Lehrerin blieben tot liegen. Danach suchte er erneut die Toilette auf, in der er sich selbst richtete. Das Schreckensszenario dauerte etwa 17 Minuten. Rund ein Dutzend Verletzte sind inzwischen außer Lebensgefahr.
Wie konnte er an die Waffen gelangen?
Über die Motive des Täters konnten die Ermittler weiterhin keine genauen Angaben machen, obwohl sie einen Abschiedsbrief und ein Video an seine Mutter vorgefunden haben. Vermutungen über Rachegelüste – der Täter hatte die Schule vor drei Jahren abgebrochen – wollten die Ermittler nicht bestätigen. Angeblich hatte er die getötete Lehrerin gekannt. Sichergestellt wurde in der Wohnung, in der er mit seiner Mutter lebte, auch eine nicht funktionstüchtige Rohrbombe.
Die Waffen hatte er bei einem Grazer Händler erworben, Mitte März wurde er fünfmal zu Schießübungen bei einem Sportschützenverein gesehen. Die Frage stellt sich, wie ein 21-jähriger Mann ohne Schwierigkeiten legal in den Besitz der Waffen gelangen konnte. Laut der Grazer „Kleinen Zeitung“ habe der Täter den Waffenschein erst rund einen Monat vor seinem Amoklauf erworben.
Generell verboten sind in Österreich für Zivilpersonen lediglich Maschinengewehre und Pumpguns. Für den Erwerb von Büchsen und Flinten genügen die Volljährigkeit (18 Jahre) und eine Registrierung. Revolver, Pistolen und halbautomatische Schusswaffen kann man ab 21 Jahren mit einem Waffenschein erwerben. Doch warum dem späteren Täter bescheinigt wurde, den dafür erforderlichen psychologischen Test bestanden zu haben, bleibt rätselhaft.
Leidenschaft waren Ego-Shooter-Spiele
Wie ein Sprecher des Bundesheeres informierte, war der 21-Jährige wegen psychischer Instabilität als untauglich für den Wehrdienst eingestuft worden. Nachbarn in seiner Wohngegend hatten den jungen Mann stets als extrem introvertiert empfunden. Kontakt mit der Außenwelt habe der junge Mann, der zum Tatzeitpunkt eine Ausbildung absolvierte, vermieden, so die Ermittler. Seine große Leidenschaft seien sogenannte Ego-Shooter-Spiele gewesen.
Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr von der Kommunistischen Partei (KP) hat nun eine Debatte über ein generelles Waffenverbot für Privatpersonen angestoßen. Vorerst unterstützen nur die Grazer Grünen den Vorschlag, doch auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen meint, ein „schärferes Waffengesetz ist notwendig“. Die Regierungsparteien wollten sich bislang nicht festlegen. Die rechtsextreme Freiheitliche Partei (FPÖ) wiederum, die im Bundesland Steiermark mit Mario Kunasek erstmals den Landeshauptmann (Ministerpräsident) stellt, lehnt ein generelles Waffenverbot ab. Es stelle „unbescholtene Bürger unter Generalverdacht“, so Kunasek.