Landtagswahl
AfD-Wahlparty: Ein großer blauer Balken und ein lauter Knall
Als auf dem Bildschirm vor den Parteigranden die Zahl 20 am blauen Balken auftaucht, macht es erst einmal „Bumm“. Einer der Versammelten hat vorgesorgt für den Fall, den die Umfragen zuletzt schon als wahrscheinliches Szenario angekündigt hatten: dass die AfD ihr Ergebnis gegenüber der 2021er-Wahl mehr als verdoppelt. Das Tischfeuerwerk verteilt Glitzerschnipsel in dem Kellerraum, in dem die Rechtspopulisten zuvor in bereits ziemlich gelöster Stimmung auf die erste Prognose gewartet haben. Nach dem großen Knall, der die Personenschützer der AfD-Bundesspitze, Alice Weidel und Tino Chrupalla, kurz zusammenzucken lässt, ist erst einmal riesiger Jubel, rhythmisches Klatschen. Spitzenkandidat Jan Bollinger klettert auf das kleine Podest, das vor den Monitoren aufgebaut ist. Dann bricht es aus ihm raus: „20 Prozent“, brüllt er mit rotem Kopf.
Was dieses Ergebnis politisch bedeutet und wie die AfD es künftig nutzen möchte, daraus macht der 48-jährige Parteichef und Vorsitzende der Landtagsfraktion aus Neuwied keinen Hehl: Wenn es bei dem Resultat bleibt, das die Prognose zeigt und das sich in späteren Hochrechnungen zu bestätigen scheint, kommt die AfD auf 24 Abgeordnete – das Vierfache der bisherigen Fraktion, die durch Abgänge während der auslaufenden Legislaturperiode auf sechs Köpfe geschrumpft war. Diese Fraktionsstärke erlaubt es Bollinger & Co. künftig, Untersuchungsausschüsse einzusetzen. Themen haben der Spitzenkandidat und seine Leute auch schon ausgemacht: die schon im Wahlkampf thematisierten Sonderurlaube von Staatssekretären oder den Umgang mit der Corona-Pandemie.
„Wir sind jetzt eine Macht im Landtag“
In dem von Scheinwerfern der TV-Sender und nicht zuletzt der momentanen Euphorie der AfD-Parteigänger erhitzten Raum feiert man mehr als die 20 Prozent: Es ist – Stand jetzt – das stärkste Zweitstimmenergebnis, das die Partei seit ihrer Gründung in einem westdeutschen Bundesland erreicht hat. Bundestagsabgeordneter Sebastian Münzenmaier packt die neue Stärke der AfD in markige Woche: „Wir sind jetzt eine echte Macht im Landtag.“ Münzenmaier, den viele gemeinsam mit Damian Lohr, Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion aus dem Donnersbergkreis, für den eigentlichen Strippenzieher in der rheinland-pfälzischen AfD halten, sieht die Gründe für den Erfolg auch bei der CDU. Die habe ihren Wählern vor der Bundestagswahl 2025 eine Migrationswende und eine veränderte Wirtschaftspolitik versprochen – und aus seiner Sicht beides nicht gehalten. Jan Bollinger wirft den Christdemokraten vor, sich als Teil einer Koalition mit der SPD „zum Teil des roten Filzes“ im Land zu machen.
Ein Statement der Bundesspitze für ihre rheinland-pfälzischen Mitstreiter haben Alice Weidel und Tino Chrupalla nicht übrig. Die beiden waren kurz hintereinander in den holzgetäfelten Raum gekommen. Eine Umarmung für Bollinger, ein breites Grinsen für die Fotografen, die vorher noch für freie Sicht auf die TV-Geräte zur Seite gejagt werden – und dann ist die Prominenz verschwunden. Der Raum leert sich. Übrig bleibt ein einigermaßen einsamer Spitzenkandidat, der nach und nach die Interviewwünsche abarbeitet. Sein Mantra an diesem Abend: Die AfD werde im neuen Landtag „eine ganz andere Power entwickeln“.