Parteien RHEINPFALZ Plus Artikel AfD-Jugend bleibt auf radikalem Kurs

Zum Vorsitzenden gewählt: Jean-Pascal Hohm.
Zum Vorsitzenden gewählt: Jean-Pascal Hohm.

Die AfD hat eine neue Jugendorganisation. Bei den Protesten Zehntausender gegen die Gründungsversammlung kam es auch zu gewaltsamen Ausschreitungen.

Gegen Ende des Gründungskongresses punktete der frisch gewählte Vorsitzende Jean-Pascal Hohm am Samstagabend noch mit einer ganz unpolitischen Ankündigung. Hohm stellte den Teilnehmern für die anschließende Party „reichlich Bier“ in Aussicht, was mit Applaus begrüßt wurde.

In den Gießener Messehallen hatte es auch in den Stunden zuvor immer wieder Beifall gegeben – vor allem dann, wenn am Rednerpult besonders radikale Töne angeschlagen wurden. Etwa, als Mio Trautner aus Baden-Württemberg sagte, Abschiebungen müssten ein solches Ausmaß annehmen, „dass die Startbahnen in Deutschland glühen“. Wiederholt wurde die „millionenfache Remigration“, also Abschiebung, von Migranten gefordert; eine Forderung, die sich auch Ko-Parteichef Tino Chrupalla am Rande des Treffens zu eigen machte. Überhaupt ging es in den Redebeiträgen fast ausschließlich um Migration und darum, diese zu stoppen.

Chrupallas Mahnung an den Nachwuchs

So forderte Jean-Pascal Hohm eine „echte Migrationswende“, damit Deutschland „die Heimat der Deutschen“ bleibe. Der 28-Jährige wurde mit 90,4 Prozent zum Vorsitzenden der „Generation Deutschland“ gewählt, wie sich die AfD-Jugend künftig nennt.

Die Neugründung war notwendig geworden, nachdem sich die als gesichert rechtsextrem geltende Vorgängerorganisation „Junge Alternative“ (JA) im Frühjahr auf Drängen der Partei aufgelöst hatte. Anders als die JA, die ein eigenständiger Verein war, ist die „Generation Deutschland“ eine Untergliederung der Partei, die damit mehr Durchgriffs- und Kontrollmöglichkeiten hat. Tino Chrupallas Aufforderung, die Nachwuchsorganisation solle sich „in den Dienst der Partei“ stellen, konnte da durchaus als Mahnung verstanden werden.

Völkische Äußerungen

Der neue Name und die engere Anbindung an die Partei werden, das wurde in Gießen deutlich, nicht mit einem Kurswechsel Richtung Mäßigung einhergehen. Das zeigt sich schon am Vorsitzenden Jean-Pascal Hohm, dessen brandenburgischer Landesverband laut Verfassungsschutz gesichert rechtsextrem ist. Hohm selbst schreiben die Verfassungsschützer wiederholte migrationsfeindliche und völkische Äußerungen zu. Von – teils rechtsextremen – sogenannten Vorfeldorganisationen der AfD will Hohm sich nicht abgrenzen. Zu einem seiner drei Stellvertreter wurde Jan Richard Behr aus Rheinland-Pfalz gewählt, der sich für eine „patriotische Wende“ aussprach und forderte, die „Massenmigration“ umzukehren.

Der Kongress, der eigentlich zwei Tage dauern sollte, ging bereits am Samstagabend zu Ende. Und das, obwohl die Versammlung erst zwei Stunden später als geplant begann. Gegendemonstranten hatten die rechtzeitige Anreise vieler Teilnehmer verhindert. Die Polizei, die mit mehreren Tausend Kräften vor Ort war, sprach von 25.000 bis 30.000 Teilnehmern an den Protesten – deutlich weniger als die im Vorhinein erwarteten über 50.000.

Polizisten verletzt

Während die große Mehrheit friedlich demonstrierte, verhielten sich andere gewalttätig. Ein Polizeisprecher sagte, vereinzelt seien Steine und Flaschen auf Beamtinnen und Beamte geworfen worden. Laut Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) wurden mindestens zehn Polizisten leicht verletzt. Auch Teilnehmer des Kongresses wurden angegangen, ein Bundestagsabgeordneter wurde laut Polizei attackiert und verletzt. Um blockierte Zufahrtsstraßen freizuräumen, setzte die Polizei auch Wasserwerfer ein.

Angesichts der teils gewaltsamen Proteste forderte AfD-Ko-Chefin Alice Weidel: „Rüstet ab!“ Das gelte auch für die Medien, denen Weidel vorwarf, für die „Aufheizung des Klimas“ mitverantwortlich zu sein.

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