Corona-Krise 375 Millionen Euro für Mainzer Impfforscher

Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender von Biontech, Das Unternehmen steht in der klinischen Prüfung eines Corona-Impfstoffs.
Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender von Biontech, Das Unternehmen steht in der klinischen Prüfung eines Corona-Impfstoffs.

Die Bundesregierung setzt große Hoffnungen in das rheinland-pfälzische Unternehmen Biontech. Mit dem Fördergeld sollen Produktionsanlagen für einen Corona-Impfstoff aufgebaut und klinische Testreihen beschleunigt werden.

Die Welt wartet auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Das Unternehmen Biontech in Mainz, das sich einen Namen mit der Entwicklung und Herstellung von Immuntherapien zur Behandlung von Krebs gemacht hat, ist nun auch führend bei der Corona-Impfstoffforschung.

Die Bundesregierung will die Bemühungen mit einer Förderung in Höhe von 375 Millionen Euro aus einem Sonderprogramm vorantreiben. Weitere 230 Millionen Euro werden dem Tübinger Pharma-Hersteller Curevac zur Verfügung gestellt. Eine mögliche Millionen-Förderung, deren Höhe noch nicht feststeht, soll an die Firma IDT Biologika aus Dessau gehen.

Spahn: Impfstoff muss sicher und wirksam sein

Nach Angaben von Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sollen die Firmen das Geld für den Aufbau von Produktionsanlagen und zur Beschleunigung ihrer klinischen Testreihen einsetzen. Die drei Firmen wurden nach einem Bewerbungsverfahren von einer Jury aus Fachleuten unter Mitwirkung des für Arzneimittel zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts ausgewählt.

Biontech und Curevac testen bereits die von ihnen entwickelten Stoffe für eine Impfung gegen das Coronavirus.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte, Priorität sei, dass der Impfstoff sicher und wirksam sei. Es gehe nicht darum, „wer Erster auf dem Markt ist“. Deshalb müssten die Impfstoff-Forscher auch die sogenannte Phase 3 der klinischen Studien abschließen. In dieser Phase nehmen mehrere tausend Probanden das Mittel ein. Eine „Notzulassung“, wie vereinzelt kolportiert, werde es keinesfalls geben, unterstrich Spahn.

Weltweit 14 Milliarden Impfdosen nötig

Ein genauer Zeitpunkt, wann ein Impfstoff zugelassen werde, könne wegen vieler Unwägbarkeiten nicht genannt werden, sagte Karliczek. Die Ministerin rechnet damit, dass „Mitte nächsten Jahres“ mit der Impfung breiter Teile der Bevölkerung begonnen werden könne.

Spahn betonte erneut, dass die Impfung freiwillig sein werde. Um eine Herdenimmunität herzustellen, würde es ausreichen, wenn etwa 55 bis 65 Prozent der Bürger geimpft seien. Mit den geförderten Firmen sei die Abgabe von rund 40 Millionen Dosen Impfstoff vereinbart. Zusätzlich habe Deutschland über eine EU-Vereinbarung Zugriff auf rund 54 Millionen Dosen des Herstellers Astrazeneca, sofern dessen Impfstoff erfolgreich getestet werde. Weltweit sind 14 Milliarden Impfdosen nötig.

Spahn appellierte an die Bürger, vor dem nahenden Herbst sich gegen Grippe impfen zu lassen. 26 Millionen Impfdosen stünden zur Verfügung, acht Millionen mehr als im vorigen Jahr.