Jubiläumskalender 1979 – Margret Thatcher wird britische Premierministerin

Eiserne LadyMargaret Thatcher (hier auf einem Foto aus dem Jahr 2005) war für ihre Willensstärke berühmt.
Eiserne LadyMargaret Thatcher (hier auf einem Foto aus dem Jahr 2005) war für ihre Willensstärke berühmt.
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Am 3. Mai 1979 wurde Margaret Thatcher zur britischen Premierministerin gewählt. Sie hat ihr Land verändert wie keine andere.

Heute vor 41 Jahren, am 3. Mai 1979, wählten die Briten Margaret Thatcher zur Premierministerin. Sie war die erste Frau in diesem Amt, in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Während ihrer elfjährigen Amtszeit in der Downing Street war sie berühmt für ihre eiserne Energie. Vier Stunden Schlaf pro Nacht hatten ihr zu genügen, musste sie doch eine Mission erfüllen: die Macht der Gewerkschaften beschneiden, wasserköpfige Staatsbetriebe privatisieren, den Arbeitsmarkt deregulieren.

Thatcherismus, das bedeutete eine konservative Revolution. Nie hat sich Großbritannien so sehr gewandelt wie in ihrer Amtszeit. Das Land wurde de-industrialisiert und in eine Dienstleistungsgesellschaft verwandelt. Sie brach den Bergarbeiterstreik – ein Schlag von dem sich die britischen Gewerkschaften bis heute nicht erholt haben. Als sie antrat, galt die britische Wirtschaft als „der kranke Mann Europas“. Als sie ging, war die britische Ökonomie das Modell für einen anglo-amerikanischen Kapitalismus, dem die europäischen Nachbarn nacheiferten. Ihre Reformen führten allerdings zu sozialen Verwerfungen. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnete sich, die Infrastruktur wurde durch finanzielle Ausblutung ruiniert.

Deutsche Einheit? Nein, danke

Margaret Thatcher hatte eine kaum zu überbietende Liste an Spitz- und auch Schimpfnamen aufzuweisen. Am berühmtesten war der Beiname „Eiserne Lady“, der sich auf ihren Führungsstil bezog. „Ich bin“, sagte Thatcher von sich selbst, „außerordentlich geduldig, vorausgesetzt, ich bekomme am Ende meinen Willen.“ Einer ihrer ehemaligen Kabinettskollegen bemerkte dazu: „Sie hält keine Diskussionen ab, sondern teilt ihre Ansicht mit. Sie bemerkt dabei überhaupt nicht, wie sehr sie andere Menschen verletzt.“

Besonders, wenn es um Europa ging, drehte Thatcher auf. Eine weitergehende europäische Integration betrachtete sie als einen Angriff auf die britische Souveränität und wollte darin deutsche Vormachtsgelüste erkennen. Energisch versuchte sie, die deutsche Einheit zu verhindern.

1990 wurde Thatcher von ihrem eigenen Kabinett entmachtet und zum Rücktritt gedrängt. Den erzwungenen Ruhestand verbrachte sie damit, ihre Botschaft in die Welt zu tragen. Ihr Terminkalender war vollgepackt mit Einladungen zu Vorträgen, die sie für schlappe 50.000 Dollar die Stunde hielt. Dann aber machte ihre einst eiserne Konstitution nicht mehr mit. Im Dezember 2001 erlitt sie den ersten einer Reihe von Schlaganfällen und wurde seitdem immer gebrechlicher. Dann kam Altersdemenz hinzu. Sie muss es gehasst haben, in ihren letzten Lebensjahren ans Haus gefesselt zu sein. „Zuhause ist der Ort“, konstatierte sie einst, „wohin man geht, wenn man nichts Besseres zu tun hat.“ Dort starb sie am 8. April 2013.

Die RHEINPFALZ feiert 2020 ihren 75. Geburtstag. In unserem Jubiläumskalender erinnern wir jeden Tag an ein besonderes Ereignis oder eine ungewöhnliche Geschichte aus den vergangenen 75 Jahren.