Familienunternehmer-Verband Öffnung zur AfD stößt auf massive Kritik

 Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands der Familienunternehmer, bekommt viele Negativ-Reaktionen.
Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands der Familienunternehmer, bekommt viele Negativ-Reaktionen.

Die Entscheidung des Familienunternehmer-Verbands, sich für Gespräche mit der AfD zu öffnen, stößt auf massive Kritik. Der Unternehmer Harald Christ hat den Verband verlassen.

Die Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), Gitta Connemann, betonte, die AfD sei „kein Partner für den Mittelstand“. Ihr Programm und ihre Haltung schade „dem Standort Deutschland massiv“. Connemann verwies auf zentrale Risiken für exportorientierte Unternehmen. „Eine nationalistische Wirtschaftspolitik à la AfD würde diese Exporte torpedieren, Lieferketten und Arbeitsplätze zerstören“, sagte die Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU dem „Handelsblatt“. Ebenso wäre eine Abkehr von Europa und der Ausstieg aus dem Euro für die Betriebe kontraproduktiv. „Gegen die AfD sprechen eine Vielzahl von manifesten ökonomischen Gründen“, sagt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, dem „Handelsblatt“. Im Ausland werde oft nicht verstanden, dass die AfD – im Gegensatz zu den meisten anderen ähnlichen Parteien in Europa – „sich immer weiter radikalisiert hat“.

Im Oktober hatte der Verband der Familienunternehmer zu seinem Parlamentarischen Abend in Berlin erstmals auch AfD-Vertreter eingeladen. Dafür hob der Verband laut Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann ein bis dahin auf Bundesebene geltendes „Kontaktverbot“ auf.

Nach der Ankündigung der Familienunternehmer hatte die Deutsche Bank laut „Handelsblatt“ einen Vertrag für künftige Veranstaltungen des Verbandes in ihrer Berliner Repräsentanz gekündigt. AfD-Chefin Alice Weidel kritisierte dies. „Die Deutsche Bank stellt sich mit dieser Reaktion selbst kein gutes Zeugnis aus“, sagte sie dem Portal The Pioneer.

In einer gemeinsamen Erklärung üben die Grünen-Politiker Konstantin von Notz und Andreas Audretsch Kritik an der Kontaktaufnahme des Familienunternehmer-Verbandes zur AfD: „Wir können uns schlicht nicht vorstellen, dass die Mitglieder im Verband der Familienunternehmen sich von diesem Agieren repräsentiert fühlen.“ Jedes Mitgliedsunternehmen, das eine Kooperation mit der Partei ablehne, sollte Ostermann nun „deutlich in die Schranken weisen“.

Die beiden Bundestagsabgeordneten betonen, gefährlich sei eine Zusammenarbeit auch aus folgendem Grund: „Die AfD betätigt sich immer wieder als Vorfeldorganisation des Kreml und anderer autoritärer Staaten.“

Harald Christ
Harald Christ

Der rheinland-pfälzische Unternehmer Harald Christ trat unterdessen aus dem Familienunternehmerverband aus. „Seit längerem hörte ich von Verbandsmitgliedern, man solle sich der AfD stärker öffnen“, sagte er dem Portal The Pioneer. „Das war für mich einer der Gründe, vor wenigen Wochen aus dem Verband Die Familienunternehmer auszutreten.“

Der Ökonom Marcel Fratzscher warnte davor, die AfD wie eine normale Partei zu behandeln. Dies „könnte erheblichen Schaden für die deutsche Wirtschaft im Ausland wie im Inland anrichten“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung dem „Handelsblatt“.

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