UN-Klimagipfel Klimaschutzprojekte oft erheblich überbewertet
In welchem Land, bei welcher Firma Treibhausgase eingespart werden, ist mit Blick aufs Weltklima eigentlich egal. Weshalb der Beschluss auf der laufenden Welt-Klimakonferenz in Baku, einen sogenannten Kohlenstoffmarkt einzurichten, zumindest von vielen staatlichen Unterhändlern gefeiert wurde. Doch am Erfolg dieses Instruments gibt es gehörig Zweifel.
Im Umweltbereich gibt es zig Beispiele dafür, wie mit fantasievollen Namen, Labels und Berechnungen ein „nachhaltiger“ oder „klimaneutraler“ Effekt bei Produkten oder Projekten erzielt werden soll. Wie es aussieht, wird dies beim internationalen Klimaschutz gerade auch versucht.
Doch der Reihe nach. Kaum hatte der Welt-Klimagipfel in Baku, der Hauptstadt des Öl- und Gasförderlandes Aserbaidschan am Montag begonnen, da meldete der Gastgeber in Gestalt des Gipfel-Präsidenten, Umweltminister Muhtar Babayev, bereits einen Verhandlungsdurchbruch: Es soll einen globalen Kohlenstoffmarkt geben, die dafür notwendigen Regeln seien gerade verabschiedet worden.
Zweifach bemerkenswert
Das bedeutet: Länder können untereinander freiwillig zusammenarbeiten, um ihre jeweiligen Klimaschutzziele zu erreichen. Dies gilt auch für Unternehmen. Konkret geht es darum, dass zum Beispiel Deutschland/eine deutsche Firma ein Klimaschutzprojekt in einem armen südlichen Land durchführt – beispielsweise, indem es dort Photovoltaikanlagen installieren lässt, worauf im Gegenzug ein Kohlekraftwerk abgeschaltet wird. Das dadurch eingesparte Klimagas Kohlendioxid (CO 2 ) kann dann der heimischen Klimabilanz gutgeschrieben werden.
Der Vorgang in Baku ist zweifach bemerkenswert. Erstens sind Verhandlungsdurchbrüche im Anfangsstadium selten bis nie vorgekommen. Kritiker monieren zudem, das Ganze sei in einer Art „Hinterzimmer-Diplomatie“ vereinbart worden, ohne eine echte Debatte über den Inhalt. Was den gesamten Verhandlungsprozess bei der COP29 in Baku in Misskredit bringen könnte.
Niedriger als angegeben
Zweitens hat am Mittwoch das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb (München) eine große übergeordnete Studie zu diesem Thema veröffentlicht, deren Tenor lautet: Die Emissionsminderungen aus Klimaschutzprojekten, die den Kauf und Verkauf von Emissionsgutschriften ermöglichen, „sind deutlich niedriger als angegeben“. Ihre Klimawirkung werde „erheblich überbewertet“. Denn auch wenn in Baku nun (angeblich) scharfe Regeln vereinbart wurden: Neu ist die Sache nicht. Sie soll nur – im Sinne des Welt-Klimavertrags von Paris aus dem Jahr 2015 – neu aufgesetzt werden. Die Analyse aus München, die sich andere bereits veröffentlichte Studien anschaut, deckt ein Fünftel der bisher weltweit ausgegebenen Emissionsgutschriften ab.
„Nur eine Scheinwirkung“
Die große Frage sei, schreiben die Max-Planck-Forscher, ob die getätigten Gutschriften wirkliche Reduzierungen widerspiegeln „oder ob sie nur eine Scheinwirkung haben“. Einfach gesagt: Helfen diese Projekte tatsächlich der Umwelt oder wird – beispielsweise vom deutschen Staat/vom deutschen Unternehmen – für etwas gezahlt, das keinen wirklichen Nutzen bringt?
Beispiel eins: Bei Kochherdprojekten, bei denen herkömmliche Herde durch sauberere ersetzt werden, entsprachen die tatsächlichen Emissionsminderungen dem Max-Planck-Institut zufolge nur elf Prozent der ausgegebenen Emissionsgutschriften. Beispiel zwei: Bei Windenergie zeigen die Daten, dass die Projekte vermutlich auch ohne den Verkauf von Emissionsgutschriften umgesetzt worden wären. Vor allem, weil Windstrom mittlerweile vielfach billiger ist als Kohlestrom.
In diesem Fall hat die Ausgabe der CO 2 -Gutschriften zu keinem zusätzlichen Klimaschutz geführt.