Rheinland-Pfalz Steuerzahlerbund kritisiert Luchs-Projekt im Pfälzerwald

Seit dem Sommer 2016 wurden 17 Luchse aus der Slowakei beziehungsweise der Schweiz in den Pfälzerwald umgesiedelt.
Seit dem Sommer 2016 wurden 17 Luchse aus der Slowakei beziehungsweise der Schweiz in den Pfälzerwald umgesiedelt. ARCHIVFoto: Landgraf/FREI

Der Bund der Steuerzahler hat am Dienstag unter anderem das Luchs-Projekt im Pfälzerwald in seinem neuen „Das Schwarzbuch – Die öffentliche Verschwendung“ angeprangert: Steuerzahler würden „den Großteil der Finanzierung stemmen“. Dabei sei es ungewiss, ob die Wiederansiedlung dieser Katzen nachhaltig und sinnvoll ist.

Seit Ende Juli 2016 wurden bereits 17 Luchse aus der Slowakei und der Schweiz in den Pfälzerwald umgesiedelt, drei weitere Tiere sollen noch folgen. Ziel ist es, diese vom Menschen ausgerottete Art hierzulande wieder heimisch zu machen. Auf 2,75 Millionen Euro sind die Kosten für das Projekt veranschlagt. Damit, so der Steuerzahlerbund, „schlägt jeder der 20 Luchse im Schnitt mit rund 140.000 Euro zu Buche“. Da die Hälfte der kalkulierten Kosten von der Europäischen Union und weitere 400.000 Euro vom Land Rheinland-Pfalz bestritten werden, „stemmen die Steuerzahler den Großteil der Finanzierung“.

Die Kosten werden nicht etwa durch „extrem verwöhnte Tiere“, sondern durch das umfangreiche Begleitprogramm in die Höhe getrieben, bemängelt der Steuerzahlerbund weiter. Dies umfasse unter anderem Tierschutzmaßnahmen, ein Monitoring, umfangreiche Koordination mit verschiedenen Akteuren, diverse Veranstaltungen und intensive Öffentlichkeitsarbeit.

Ein Parlament für 20 Luchse

Zur Steigerung der Akzeptanz sei sogar ein deutsch-französisches „Luchsparlament“ gegründet worden. Denn ohne aktive Unterstützung und gesellschaftliche Akzeptanz durch den Menschen – so die Erklärung – könnten sich die Katzen nicht dauerhaft etablieren: „20 Luchse, ein Luchsparlament und 2,75 Millionen Euro“, bilanziert der Steuerzahlerbund kritisch. Zudem habe das Land einen komplizierten Luchsmanagementplan aufgestellt, in dem bürokratisch geregelt werde, wie Entschädigungen für gerissene Schafe beantragt beziehungsweise unter welchen Voraussetzungen Luchse vergrämt werden dürfen.

Fraglich sei, fügt der Steuerzahlerbund hinzu, wie nachhaltig und sinnvoll die Ansiedlung bedrohter Tierarten in Regionen sei, in denen ohne millionenschweren Aufwand keine lebensfähigen Populationen entstehen könnten. Zumal durch Autoverkehr und Wilderei „mindestens drei Luchse“ schon getötet wurden.

„Verschwendung ist nicht belegt“

„Eine Verschwendung von Steuergeldern ist nicht belegt“, hält die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz dagegen. Deshalb sei die Kritik des Steuerzahlerbundes nicht gerechtfertigt. Auf nationaler wie auf europäischer Ebene sei Artenschutz verpflichtend vorgeschrieben. Die anfänglich große Investition in die Öffentlichkeitsarbeit sei „eine mehr als sinnvolle und nachhaltige Vorgehensweise“. Das „Luchsparlament“ tage in der Pfalz zweimal im Jahr, fügt Sylvia Idelberger vom Trippstadter Projektbüro auf Anfrage hinzu. Dort würden etwa zwei Dutzend Vertreter von Jägern, Naturschutzverbänden, Schafzüchtern und anderen Nutztierhaltern, Behörden und Kommunen ihre Erfahrungen austauschen. Weder für die Teilnahme an den Sitzungen noch für die Fahrtkosten werde etwas bezahlt.

Würde die Öffentlichkeitsarbeit nicht durchgeführt, könnte das Projekt langfristig scheitern, betont die Umweltstiftung. Wie gut eine Wiederansiedlung funktionieren kann, beweise aktuell das Projekt im Harz. Seit den ersten Freilassungen im Jahre 2000 würden sich die Luchse dort ausbreiten.

Die Umweltstiftung hält es auch für verfehlt, wenn der Steuerzahlerbund von einer „Bürokratiemaschinerie“ spreche. Meldungen zu Luchsen oder über gerissene Nutztiere könnten einfach über die Hotline 06306/911199 oder per Mail an luchs@snu.rlp.de gemeldet werden. Bestätige die Begutachtung vor Ort den Anfangsverdacht, könne über einen einseitigen Antrag eine Entschädigung oder bei Bedarf Präventionsmaterial beantragt werden.

Zutreffend ist laut Sylvia Idelberger, dass bisher zwei der 17 umgesiedelten Luchse durch Autos getötet wurden. Ein Fall von Wilderei sei bisher nicht nachgewiesen worden. Eine dritte Katze habe sich an der Pfote verletzt und sei daran verendet. Nachwuchs habe sich inzwischen reichlich eingestellt: Mittlerweile seien mindestens zehn Jungtiere über solche Muttertiere, die GPS-Halsbänder tragen, nachgewiesen. Fazit, so die Umwelt-Stiftung: Das Luchs-Projekt „verläuft plangemäß“.