Rheinland-Pfalz
Starker Anstieg: Das wahre Ausmaß der Corona-Neuinfektionen
Bei einem Spitzentreffen in der Staatskanzlei in Mainz will die rheinland-pfälzische Landesregierung am Donnerstag mit Kommunalpolitikern über „weitere Maßnahmen der Corona-Bekämpfung“ beraten. Mit am Tisch werden neben Ministerpräsidentin Malu Dreyer unter anderem Wirtschaftsminister Volker Wissing, Umweltministerin Ulrike Höfken und der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel sitzen.
Unklar ist derzeit, ob in Rheinland-Pfalz bisherige Lockerungen von Corona-Beschränkungen wieder zurückgenommen werden. Auszuschließen ist dies nicht, denn das Infektionsgeschehen in Rheinland-Pfalz gibt Anlass zur Sorge. Das Landesuntersuchungsamt meldete am Dienstag offiziell 89 Neuinfektionen (Stand 10.50 Uhr) – am Tag zuvor waren es 34 Fälle gewesen. 756 Personen sind derzeit landesweit mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert.
Keine Erklärung für Meldeverzug
Doch der aktuelle Anstieg dürfte tatsächlich deutlich höher ausfallen. Denn auffällig ist: Für die Städte Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal sowie für den Rhein-Pfalz-Kreis meldete das Landesuntersuchungsamt im Vergleich zu Montag keinen einzigen neuen Fall. Das ist insofern überraschend, als das Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises selbst am Montagnachmittag für die drei Städte und den Kreis einen Anstieg um 25 weitere Fälle verkündet hatten. Diese Neuinfektionen hätten eigentlich am Dienstag in der Aufstellung des Landesuntersuchungsamtes auftauchen müssen. Der landesweite Anstieg hätte damit bei 114 Fällen gelegen.
Die Differenzen sind teils deutlich:
In Ludwigshafen sind es laut Gesundheitsamt bisher insgesamt 444 Fälle (Stand Montag) seit Beginn der Pandemie, laut Landesuntersuchungsamt dagegen 428 (Stand Dienstag). Für den Rhein-Pfalz-Kreis meldet das Gesundheitsamt bisher 299 Fälle, das Untersuchungsamt 290.
Für den Meldeverzug hat man bei der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises keine Erklärung: „Wir können das nicht nachvollziehen, wir geben die Zahlen immer gleich weiter.“
Pandemie im ganzen Land
Unabhängig von dieser Differenz stellt sich die Lage in Rheinland-Pfalz so dar: Im Unterschied zur Entwicklung im Juli sind es nun nicht mehr einzelne lokale Infektionsherde, die zu einem Anstieg der Zahlen führen. Die Pandemie verbreitet sich nahezu im gesamten Land wieder schneller als zuletzt. Im Kreis Bad Kreuznach wurden in den vergangenen sieben Tagen 21 Infektionen auf 100.000 Einwohner registriert. Danach folgen gleich fünf Städte und Kreise mit jeweils 15 Fällen je 100.000 Einwohner: Koblenz, Neustadt, Trier, der Donnersbergkreis und der Kreis Germersheim.
Unklarheit in Ludwigshafen
Für Ludwigshafen gibt das Landesuntersuchungsamt am Dienstag eine Sieben-Tages-Rate von 13 Fällen an. Das Portal „Zeit Online“, das mehrere Quellen auswertet, meldet für Ludwigshafen dagegen eine Rate von 25,1, Fällen. Die Stadt würde demnach wieder knapp über dem Schwellenwert liegen, ab dem für Schulen über strengere Corona-Beschränkungen nachgedacht werden muss. Bereits vergangene Woche hatte die Ludwigshafener Rate mehrfach über diesem Schwellenwert gelegen.
75 Reiserückkehrer infiziert
An den neuen Corona-Teststationen für Reiserückkehrer am Flughafen Hahn sowie in Landau, Bitburg und Trier wurden seit der Eröffnung am 6./7. August bis zum 17. August insgesamt 15.275 Tests durchgeführt. Von diesen liegen bislang 13.025 Ergebnisse vor: Darunter sind 75 positive Befunde auf eine Erkrankung mit SARS-CoV-2. Diese Angaben machte gestern das Mainzer Gesundheitsministerium. Bei 60 der positiv getesteten Personen handele es sich um Einreisende aus Risikogebieten, 15 kamen aus Nicht-Risikogebieten. Die betroffenen Personen seien umgehend nach Vorliegen des positiven Laborbefundes durch die Gesundheitsämter informiert worden, erklärte das Ministerium.