Kaiserslautern Prozess Doppelmord Weilerbach: Mutter und Mann mit Axt erschlagen?

Mit Helikopter, Hundestaffel und Hunderten Polizisten wurde Anfang März nach dem Mörder von Weilerbach gefahndet.
Mit Helikopter, Hundestaffel und Hunderten Polizisten wurde Anfang März nach dem Mörder von Weilerbach gefahndet.

Im März herrschte im Kreis Kaiserslautern Angst und Schrecken, als in einem Gehöft bei Weilerbach zwei Leichen entdeckt wurden und der mutmaßliche Mörder auf der Flucht war. Ab heute wird dem 38-Jährigen wegen Mordes an seiner Mutter und deren Partner am Landgericht Kaiserslautern der Prozess gemacht. Trieb ihn Habgier oder handelte er im Affekt?

„Er ist gefasst, aber sich dem Ernst der Lage bewusst.“ So beschrieb Rechtsanwalt Johannes Berg aus Kaiserslautern am Abend vor Prozessbeginn die Gemütslage seines Mandanten, der seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft sitzt und wegen Mordes an zwei Menschen sowie der schweren Brandstiftung angeklagt ist.

Leichenfundort in Weilerbach: Ein 38-Jähriger soll seine Mutter und deren Partner umgebracht haben.
Kreis Kaiserslautern

RHEINPFALZ Plus ArtikelNach der Bluttat in Weilerbach: Um 13.55 Uhr gibt er auf

Der Ernst der Lage bedeutet im Fall einer Verurteilung lebenslänglich. Laut Berg wird die Staatsanwaltschaft die besondere Schwere der Tat untersuchen, also prüfen, ob sich an die 15 Jahre Gefängnis eine Sicherungsverwahrung hinter Gittern anschließen soll.

DNA-Spuren im Bett

Der 38-Jährige hat sich bisher nicht zu den Tatvorwürfen geäußert – sein Verteidiger geht davon aus, dass er während der angesetzten sieben Verhandlungstage schweigt. Der Prozess wird sich demnach auf Indizien und Zeugen stützen müssen. „Direkte Zeugen der Tat gibt es nicht“, so Strafverteidiger Berg. Insgesamt sind laut Gericht 89 Zeugen sowie acht Sachverständige geladen, unter anderem geht es um DNA-Spuren: genetisches Material an einer Jacke, die nach Angaben der Verteidigung zwischen den Leichen im Bett gefunden wurde: „Sie trägt die DNA meines Mandanten.“

Im dem Gehöft zwischen Weilerbach und Hirschhorn wurden im Mai zwei Leichen gefunden.
Kaiserslautern

Bluttat von Weilerbach: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes

Laut Anklage hat der 38-Jährige zwischen dem 7. und 9. März seine 60-jährige Mutter vor dem gemeinsam bewohnten Gehöft in Weilerbach aus Habgier getötet. Danach habe er den 65-jährigen Lebensgefährten der Frau getötet – aus Heimtücke, um den ersten Mord zu vertuschen.

Wo die Verteidigung ansetzt

Der 38-jährige selbstständige Handwerker steckte offenbar in finanziellen Schwierigkeiten. „Streit um angeblich falsch ausgeführte Leistungen, Stress mit den Mitarbeitern, stornierte Aufträge und von Kunden nicht bezahlte Rechnungen – all das hat ihn nach und nach in den Ruin getrieben“, sagt Verteidiger Berg. Dessen Strategie wird auch am Vorwurf Habgier der Ankläger ansetzen. „Viel eher könnte Affekt eine Rolle gespielt haben“, so Berg. Denn zwischen „Jung und Alt“, zwischen der Familie des Angeklagten und der Mutter, habe sich über längere Zeit ein Streit zugespitzt über den Verkauf des Anwesens, den die Mutter geplant und der Sohn abgelehnt habe.

Entdeckt worden waren die beiden Leichen an jenem Dienstag des 9. März von der Polizei. Die Mutter war bereits zwei Tage nicht an ihrem Arbeitsplatz erschienen und deshalb gesucht worden. Der Sohn und mutmaßliche Mörder hatte den Beamten zunächst noch die Tür geöffnet und erklärt, die Mutter sei doch zur Arbeit gegangen. Danach flüchtete der 38-Jährige, eine große Suchaktion startete, zwei Tage später stellte er sich der Polizei – unbewaffnet.

Familie des Angeklagten zieht weg

Neben den beiden Morden wird ihm auch schwere Brandstiftung zur Last gelegt. Angezündet habe er einen Carport, eine Scheune sowie eine Garage in Mackenbach und Erzenhausen. Die Feuerwehr hatte damals das Übergreifen des Feuers auf jeweils angrenzende Wohnhäuser verhindern können. In ihnen wohnten Männer, die mit dem Angeklagten geschäftlich verbunden waren. Der 38-Jährige ist laut Gericht bisher nicht vorbestraft, ist verheiratet und hat einen Sohn, der zur Tatzeit 14 Jahre alt war. Die Ehefrau und der Sohn wohnen mittlerweile nicht mehr im Kreis Kaiserslautern, der Druck auf den Jungen war offenbar zu groß.

x