Rheinland-Pfalz Hallig Gröde nicht mehr kleinste Gemeinde Deutschlands

Wegen des Zuzugs einer dreiköpfigen Familie kann die Nordsee-Hallig Gröde nicht mehr allein den Superlativ «kleinste Gemeinde Deutschlands» beanspruchen. Auch in Dierfeld in der Vulkaneifel lebten Ende 2019 zehn Menschen.

Gröde/Wiesbaden (dpa/lno) - Die Nordsee-Hallig Gröde (Kreis Nordfriesland) muss wegen eines «Bevölkerungswachstums» von fast 42 Prozent - konkret dem Zuzug einer dreiköpfigen Familie - ihren bisherigen Titel als «kleinste Gemeinde Deutschlands» jetzt mit Dierfeld in Rheinland-Pfalz teilen. In den beiden Gemeinden wohnten Ende 2019 jeweils zehn Menschen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

In Gröde, etwa 35 Kilometer südlich von Sylt im schleswig-holsteinischen Wattenmeer gelegen, war das Geschlechterverhältnis mit 5 Einwohnerinnen und 5 Einwohnern ausgewogen. In Dierfeld in der Vulkaneifel gab es mit 7 männlichen und 3 weiblichen Bewohnern dagegen einen Männerüberschuss. Ein Jahr zuvor war Gröde allein die bundesweit kleinste Gemeinde mit damals noch sieben Einwohnern.

«Aktuell wohnen auf Gröde neun Menschen», berichtete Bürgermeister Jürgen Kolk am Dienstag: «Der 16-jährige Sohn der dreiköpfigen Familie wohnt derzeit auf dem Festland und absolviert dort ein Berufsorientierungsjahr, er ist aber auf Gröde weiterhin gemeldet.»

Bis 2012 gab es auf Gröde noch eine sogenannte Hallig-Schule, auf der Schüler bis zum Hauptschulabschluss bleiben konnten. «Wir haben seitdem keine Kinder mehr in dem Alter», sagte Kolk. Die Schule auf der Kirchwarft steht leer in dem Gebäude, in dem auch die Kirche untergebracht ist. Die vier anderen Häuser von Gröde auf der Knudswarft sind dagegen bewohnt.

In einem Haus lebt Kolk mit seiner Frau. Er arbeitet beim Landesamt für Küstenschutz wie zwei weitere Bewohner der Hallig. «Wir bilden sozusagen eine kleine Kohorte auf Gröde und machen hier das, was zu tun ist.» Außerdem vermieten sie an Feriengäste, ebenso wie eine anderes Paar, und betreiben zudem Weidewirtschaft.

Ob das mit der Demokratie auf Gröde noch so vorbildlich klappt wie in der Antike in Athen, wo jeder Bürger seine Meinung sagte, das bessere Argument gelten sollte und am Ende jeder mit abstimmte? Kolk lacht: «Ja, das kann man so sagen.»

Zwei bis drei Mal im Jahr gibt es eine Gemeindeversammlung. Jeder Bürger ist automatisch auch Gemeindevertreter - so wie es in Gemeinden mit weniger als 70 Einwohnern in Schleswig-Holstein festgelegt ist. «Parteien spielen bei uns keine Rolle», sagt Kolk. Er selber ist parteilos. Mit verwaltet wird Gröde von der Stadt Husum. Einen eigenen Etat hat die Hallig, «aber die Kommunalaufsicht hat da mitzureden».

Nachwuchs ist auf Gröde nicht in Sicht. «Die Eltern des 16-Jährigen sind Mitte 40 und alle anderen Bewohner älter», sagte Kolk. Sorgen um Gröde hat er dennoch nicht. «Wenn ein Haus frei werden sollte durch Wegzug oder Tod, werden andere Menschen kommen.» Er selbst lebt seit 15 Jahren dort. Ob er für immer bleiben will? «Ja, das ist schließlich meine Existenz.»

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren die Halligen wie die Inseln besonders geschützt, es galt ein Betretungsverbot für Besucher. «Zwei Monate lief gar nichts mit Tourismus», sagte Kolk. «Es gab Absagen, aber auch neue Buchungen für die Ferienwohnungen - Corona hat unseren Kalender kräftig durcheinander gewürfelt.» Bis Ende Oktober sind Kolks Ferienwohnungen ausgebucht, «dann ist für dieses Jahr ohnehin Schluss.» Die Schiffsverbindungen seien schlecht. «Es gibt zwar einen Liniendienst, aber es kommt ein Schiff nur, wenn es gebraucht und angefordert wird.»

Was der Titel «kleinste Gemeinde Deutschlands» für Gröde bedeutet, bringt der Bürgermeister auf den Punkt: «Es ist werbewirksam.»