Rheinland-Pfalz Baldauf will eine Vorschule: Fachleute lieber mehr Personal

Christian Baldauf
Christian Baldauf (CDU) spricht bei einem Landesparteitag.

Die Deutschförderung für Kinder in Rheinland-Pfalz muss nach Auffassung der CDU ausgebaut werden. Deutlich mehr Personal dafür wünschen sich auch Fachkräfte und Gewerkschaften. Die Vorschläge von CDU-Spitzenkandidat Baldauf sehen sie aber kritisch.

Mainz (dpa/lrs) - Die Ankündigung des CDU-Spitzenkandidaten Christian Baldauf reguläre Vorschulen in Rheinland-Pfalz einzurichten, stößt bei Fachleuten überwiegend auf Skepsis. Extra Vorschulgruppen widersprächen den allermeisten Kita-Konzepten, weil die Kindergärten seit mindestens 35 Jahren Jungen und Mädchen altersgemischt betreuten, kritisiert der neu gegründete Verband der Kita-Fachkräfte. «Schulkindergärten, wie wir sie schon mal hatten, sind grandios gescheitert», erinnert Ingo Klein von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW). Statt «Testeritis» brauche es mehr Personal in den Kitas. «Den Grundgedanken unterstützen wir», sagt dagegen der stellvertretende Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Rheinland-Pfalz, Lars Lamowski. Über Einzelheiten müsse aber noch gesprochen werden.

Baldauf hatte angekündigt, er wolle im Falle eines Wahlsiegs am 14. März «Starterklassen» einrichten. Dies sei eine reguläre Vorschule im letzten Kindergartenjahr mit verbindlichen Deutschtests für alle Vorschulkinder und mit verpflichtenden Förderhilfen.

«Es muss sich grundsätzlich etwas ändern», sagt Lamowski, selbst Schulleiter einer Grundschule im Westerwald. Die Lehrpläne in den Grundschulen seien nicht mehr mit den Kindern zu vereinbaren, die ankämen. Viele wüssten nicht mehr, was ein Kreisel ist, könnten nichts einkreisen, den Stift nicht richtig halten und kennten den Unterschied zwischen einem Blei- und einem Buntstift nicht. «Das System ist komplett überfordert.»

Die sogenannten multiprofessionellen Teams - Sozialarbeiter und Psychologen - sowie deutlich mehr Lehrer seien dringend notwendig. «Die Berechnungsgrundlage ist Jahrzehnte alt und hat nichts mehr mit heute zu tun», kritisierte Lamowski. Die Grundschulen könnten im Unterricht durchaus differenzieren. «Aber das Maß, was wir bieten müssen, können wir nicht mehr schaffen.» Viele Grundschulen brauchten ein halbes Jahr, um grundlegende Fähigkeiten zu vermitteln wie eben die richtige Stifthaltung. «Da geht ein halbes Jahr verloren.»

Claudia Theobald vom Verband Kita-Fachkräfte sagt dagegen: «Nur große Kitas haben so viele Vorschulkinder, das man sie in einer gesonderten Gruppe betreuen und fördern könnte.» Deutschtests für Vorschüler setzten zudem zu spät an. «Da wäre ein Sprachscreening im Alter von vier Jahren sinnvoller, das aufzeigt, ob die altersgemäße Sprachentwicklung im Rahmen ist.» Die CDU habe aber die Probleme der frühkindlichen Bildung erkannt und suche nach Lösungen, lobte Theobald. «Leider lassen die aktuellen Rahmenbedingungen eine gute und individuelle Sprachförderung sowie gezielte und vor allem kontinuierliche Arbeit mit Vorschulkindern oft nicht zu.» Notwendig sei mehr Personal und kleinere Gruppen.

Diesem Punkt stimmt die GEW zu. «Was wir brauchen sind bessere Personalschlüssel in den Kitas», sagt Gewerkschaftssekretär Klein, selbst gelernter Erzieher und Fachberater von Kitas. Die Bestimmungen im neuen Kitagesetz «reichen vorne und hinten nicht». Nicht die von Baldauf angekündigten Tests seien notwendig, sondern mehr Personal und mehr Räume, um Kita-Kinder differenziert fördern zu können. «Die Kollegen können Förderung im Alltag gut.» Wissenschaftliche Studien zeigten zudem, dass Schulunterricht für Kinder, die jünger als sechs Jahre sind, deren Entwicklung eher behindere. Baldaufs Vorstoß sei aber nicht nur inhaltlich nicht gut, sondern erfordere auch Lehrpersonal, das nicht zu finden sei.